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Schulentwicklung und Unterricht

1. Umsetzung von Inklusion in Erlassen

Um den Anforderungen gerecht zu werden, die durch die Inklusion an Schulentwicklung und Unterricht gestellt werden, werden auch diesbezügliche Erlasse nach und nach angepasst und ggf. um entsprechende Passagen erweitert. So werden der gemeinsame Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung, die daraus folgende Notwendigkeit besonderer Differenzierungsmaßnahmen oder das Erleben von Vielfalt bereits in den Grundsatzerlassen der Hauptschule, der Realschule und der Oberschule aufgegriffen. Auch in den Erlass „Berufliche Orientierung an allgemein bildenden Schulen“ sind die Regelungen für Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung aufgenommen worden.

2. Begabungsförderung

Die Förderung besonderer Begabungen hat ihren festen Platz im Rahmen einer individuellen Entwicklungsförderung. Sie unterstützt junge Menschen darin, ihre Fähigkeiten und Interessen zu entdecken und entfalten zu können. Zum Schuljahr 2018/2019 gibt es 90 Kooperationsverbünde.

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3. Wissenschaftliche Begleitung

Die Einführung der inklusiven Schule in Niedersachsen wurde im Zeitraum 2015-2017 durch das Forschungsprojekt „Inklusive schulische Bildung in Niedersachsen“, das im Auftrag des Kultusministeriums durch das Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover durchgeführt wurde, wissenschaftlich begleitet. Verantwortlich durchgeführt wurde das Projekt von Herrn Prof. Dr. Rolf Werning und Frau Prof. Dr. Katja Mackowiak, beide vom Institut für Sonderpädagogik der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden Daten zum Stand der inklusiven schulischen Bildung in Niedersachsen erhoben sowie die Wirksamkeit der sonderpädagogischen Grundversorgung in Grundschulen untersucht. Aus den Ergebnissen können Erkenntnisse für die weitere Optimierung der inklusiven Schule abgeleitet werden.

Die Einführung der inklusiven Schule trifft bei Schulleitungen, Regel- und Förderschulkräften an niedersächsischen Grundschulen auf eine große Akzeptanz. Besonders groß ist die Zustimmung bei den Schulleiterinnen und Schulleitern. Damit Inklusion gelingen kann, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen, ist es wichtig, kooperative Strukturen aufzubauen. In Schulen, in denen sich die Lehrkräfte in derartige Strukturen eingebunden fühlen, gelingt die Umsetzung der Inklusion besser. Ein gutes Zusammenwirken und ein regelmäßiger Austausch von Klassenlehrkräften und sonderpädagogischen Fachkräften ist eine wichtige Gelingensbedingung für die Inklusion. Von Bedeutung ist auch das Engagement der Schulleitung: Unterstützt die Schulleitung den Ausbau kooperativer Strukturen und vertritt sie ein klares Konzept von Inklusion, gibt sie eine wichtige Orientierung für die erfolgreiche Umsetzung an der jeweiligen Schule.

Das Forschungsteam leitet aus den Untersuchungen einige Empfehlungen für die Weiterentwicklung der inklusiven Schule ab:

  • Aufgrund der Schlüsselfunktion der Schulleitung sollte diese durch Fortbildungen und Unterstützung in dieser Rolle gestärkt werden. Dies kann maßgeblich dazu beitragen, dass tragfähige Kommunikations- und Kooperationsstrukturen wie auch inklusionsförderliche Kulturen, Strukturen und Praktiken etabliert werden können.
  • Hinsichtlich der Kooperation von Professionellen zeigen die Befunde dieser Studie einen deutlichen Entwicklungsbedarf. Eine gemeinsame Verantwortung war selten vorhanden, gemeinsam erteilter Unterricht konnte ebenfalls nur selten beobachtet werden. Moniert wurde von den Lehrkräften eine zu geringe personelle Ressourcenzuweisung, die als Ursache für die mangelnde Umsetzung angesehen wurde. Eine Etablierung von Unterrichtsteams war nicht vorhanden und sollte – auch unter Einbeziehung von pädagogischen Fachkräften – nachhaltig unterstützt werden.
  • Weiterer Entwicklungsbedarf besteht im Bereich der Unterrichtsentwicklung hinsichtlich der adaptiven Lernunterstützung. Verwiesen wird auf die herausgehobene Bedeutung der Anpassung der Schwierigkeit der Aufgaben an die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in inklusiven Lerngruppen. Es wird empfohlen, Qualitätsnetzwerke für inklusive Unterrichtsentwicklung zu etablieren, um sich auch über die eigene Schule hinaus mit Kolleginnen und Kollegen zu bestimmten Themen austauschen zu können.

Die Befunde dieser Studie zeigen eine positive Bewertung einer systemischen Ressourcenzuweisung auf. Diese sollte jedoch die unterschiedlichen Anforderungsprofile der Schulen berücksichtigen. Schulen mit hohem Anforderungsprofil würden mehr personelle und sächliche Unterstützung brauchen als Schulen, an denen diese besonderen Anforderungen seltener zu finden sind.

4. Die inklusive Berufsbildende Schule

Von der inklusiven Neuausrichtung der berufsbildenden Schulen sind nicht nur die Schulen, die Schulverwaltung und die Schulträger betroffen. Vielmehr sind in der dualen Ausbildung und in den dualisierten Formen der Berufsorientierung und -vorbereitung Betriebe und Ausbilder unmittelbare Partner. Gemeinsam mit diesen Partnern kann Inklusion an den berufsbildenden Schulen gelingen. Auch sie müssen sich in diesem Prozess neu orientieren, benötigen Informationen, Beratung und Unterstützung.

Um den beteiligten Akteuren bei der Bewältigung dieser Aufgabe zu helfen, sind im Bereich der beruflichen Bildung verschiedene Maßnahmen initiiert worden (s. auch Fortbildung und Beratung).

Um die Schulentwicklung der Berufsbildenden Schulen zu unterstützen, ist speziell für die Schulleitungen der BBS ist die Handreichung „Handlungsoptionen für die inklusive Berufsbildende Schule“ erstellt worden. Die Handreichung soll die berufsbildenden Schulen in Niedersachsen darin unterstützen, den Prozess für alle Beteiligten erfolgreich zu gestalten und den besonderen Anforderungen einer inklusiven Berufsbildung Rechnung zu tragen.

Aufgrund der umfangreichen Informationen zum Thema „Inklusion“, der Aktualität des Themas und der Vorläufigkeit mancher Erfahrungen sind diese Handreichungen so konzipiert, dass sie jederzeit erweitert werden können. Die Handreichungen und weitere Unterlagen sind den Schulen im Rahmen von flächendeckenden Workshops persönlich ausgehändigt worden.

 
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