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Rede des Niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne zu TOP 20 b der Landtagssitzung am 24.10.2019 - Aktuelle Stunde: „Mittelmaß ist nicht genug – Niedersachsens Schüler brauchen beste Bildung“

Antrag der Fraktion der FDP – Drs. 18/4891



Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

Schülerinnen und Schüler brauchen beste Bildung – bis hier stimmen wir überein.

Dass wir in Niedersachsen bei diesem Ziel Kurs halten, hat der in der vergangenen Woche veröffentlichte IQB-Bildungstrend 2018 bestätigt. Ziel dieser Bildungstrends ist es, in den Fächern Mathematik und den Naturwissenschaften Aussagen zu treffen, inwieweit die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler die von der KMK gesetzten Kompetenzerwartungen erreichen.

Wir können für Niedersachsen sachlich feststellen: Die Ergebnisse blieben zwischen 2012 und 2018 in allen Fächern weitgehend stabil und liegen im Jahr 2018 insgesamt im bundesdeutschen Durchschnitt!

So erreichen beispielsweise ca. 41 Prozent der rund 2.300 getesteten Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen im Fach Mathematik bereits Mitte des Schuljahrgangs 9 die Regelstandards für den mittleren Schulabschluss nach Schuljahrgang 10. Hiervon erfasst sind auch Schülerinnen und Schüler, die diesen Abschluss gar nicht anstreben, sondern nach dem Schuljahrgang 9 die Schule bereits verlassen wollen. Ein großer Anteil der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler erfüllt bereits weit über ein Jahr früher die Kompetenzerwartungen, die wir erst mit dem mittleren Schulabschluss nach Schuljahrgang 10 an sie stellen.

Das ist, meine sehr verehrten Damen und Herren, ein erfolgreicher Standard!

Das IQB sieht zwischen 2012 und 2018 deutlich gestiegene Herausforderungen durch eine größere Heterogenität in den Schulklassen, sodass bereits die weitgehende Stabilität der Ergebnisse in ganz Deutschland positiv bewertet wird. Niedersachsen hatte hierbei Herausforderungen in einem besonderen Maße zu bewältigen: Der prozentuale Anteil an Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern mit Migrationshintergrund stieg im deutschen Mittel um 6,8 Prozent, in Niedersachsen um 10,5 Prozent.

Seit Einführung der inklusiven Schule im Jahr 2013 haben wir zudem einen deutlichen Zuwachs an Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die an den allgemein bildenden Schulen unterrichtet werden.

Ich möchte den Lehrkräften und Schulleitungen in Niedersachsen daher ganz ausdrücklich meine Anerkennung für ihre Leistungsbereitschaft und ihr Engagement aussprechen. Sie haben großartige Arbeit geleistet und ihnen gebührt unser Dank für die erzielten Ergebnisse unserer Schülerinnen und Schüler!

Anrede,

„Mittelmaß ist nicht genug“ heißt es im Antrag. „Mittelmaß“ hat eine oft abwertende Bedeutung, im Allgemeinen kennzeichnet es allerdings eine mittlere Qualität und Quantität – den Durchschnitt. Die Ergebnisse der niedersächsischen Schülerinnen und Schüler – und das sagt der Bildungstrend 2018 sehr deutlich, entsprechen dem bundesdeutschen Schnitt und halten – vor dem Hintergrund deutlich veränderter Rahmenbedingungen – ihr Qualitäts- und Leistungsniveau! Dies anders darzustellen, würde weder den Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler noch den Anstrengungen unserer Lehrkräfte und Schulleitungen gerecht.

Natürlich – und so ehrlich müssen wir auch sein – sind nicht alle Ergebnisse befriedigend und wir haben auch Handlungsbedarf erkannt.

  • Bundesweit äußern die befragten Lehrkräfte Unterstützungsbedarf im Umgang mit der heterogenen Schülerschaft. Hier gilt es auch in Niedersachsen, die Lehrkräfte verstärkt darauf vorzubereiten und in der alltäglichen Arbeit noch intensiver zu unterstützen. So wird der Umgang mit heterogenen Gruppen in die Lehrerausbildung aufgenommen. Seit vielen Jahren finden bereits Qualifizierungen für die inklusive Schule statt, seit Kurzem auch mit speziellem Fachbezug zu Mathematik (neben Deutsch und Englisch).

  • Die Mädchen müssen wir von ihren vorhandenen Kompetenzen überzeugen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Gleichzeitig müssen wir aber darauf achten, dass – und dies ist ein bundesweiter Trend – die Jungen in ihrer Entwicklung gestärkt werden und sie nicht zu Bildungsverlierern werden! Niedersachsen fördert Mädchen spezifisch in Mathematik durch das Niedersachsen-Technikum sowie in Naturwissenschaften durch das Projekt „Mädchen und Technik“ (MUT). Jungen und Mädchen gleichermaßen werden durch das Exzellenz-Netzwerk MINT-Schule unterstützt. Die Angebote der außerschulischen Lernorte in zahlreichen Städten [z. B. Göttingen, Braunschweig, Hannover, Osnabrück, Wilhelmshaven, Buchholz] sowie die Ideen-Expo bieten unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre Kompetenzen und Interessen gezielt auszubauen.

  • Ein weiterer bundesweiter Trend ist die ungünstige Entwicklung von Spitzenleistungen an Gymnasien. Dieser ist auch in Niedersachsen zu beobachten. Niedersachsen fördert leistungsstarke Schülerinnen und Schüler unter anderem durch die Teilnahme an „Mathematik ohne Grenzen“ oder der Mathematik-Olympiade. Unsere Lehrkräfte motivieren zudem jedes Jahr zahlreiche Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme am sogenannten „Känguru-Wettbewerb“ und stärken so die Basiskompetenzen und das Interesse am Fach. Lehrkräfte erhalten Unterstützung durch fachbezogene Netzwerke sowie durch die Fachberatung.

Niedersachsens Schülerinnen und Schüler brauchen den Vergleich mit anderen Ländern nicht zu scheuen. Unsere Schülerinnen und Schüler halten den bundesweiten Standard!


Kultusminister Grant Hendrik Tonne  
Artikel-Informationen

24.10.2019

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