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PISA-Studie 2018 – Tonne: „Schule auf den Bildungs- und Erziehungsauftrag fokussieren, Kernkompetenzen in den Mittelpunkt rücken, Bildung darf kein Luxusgut sein“


Zur OECD PISA-Studie 2018 erklärt der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne:

„Im Vergleich zu 2009, als bei PISA letztmalig deutschlandweit die Lesekompetenz im Fokus stand, habe sich der Kompetenzmittelwert im Bereich Lesen quasi nicht verändert. In den Naturwissenschaften und bei Mathematik liegen die Schülerinnen und Schüler über dem OECD-Durchschnitt. Hier gibt es wenig Dynamik, weder nach oben noch nach unten. Die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler zeigen sich also konstant und stabil. Eine Weiterentwicklung ist gleichwohl ehrlicherweise auch nicht feststellbar.

Zur Wahrheit gehört, dass sich die Zusammensetzung der Schülerschaft durch Integration und Inklusion in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich verändert hat. Daraus folgt, dass die weiterhin guten Ergebnisse – also das Halten des Leistungsniveaus – durchaus eine gute Nachricht sind. Die Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland leisten also außerordentlich gute Arbeit. Unterricht in heterogenen Lerngruppen ist anspruchsvoll und herausfordernd. Daher gilt es zuvorderst, den Lehrkräften für das Erreichte Dank zu sagen und Respekt zu zollen!

Andererseits zeigen die Ergebnisse, dass wir im internationalen Vergleich noch nicht so weit sind, wie es für die Bildungsnation Deutschland angemessen wäre. Unsere wichtigste Ressource in Deutschland sind die Menschen – und ihr Wissen, Können und ihre Bildung.

Die Anstrengungen der letzten Jahre mit erhöhten Bildungsausgaben und Reformen im Bildungswesen haben noch nicht zu messbaren Verbesserungen geführt. Das muss uns zu denken geben.

PISA 2018 bestätigt zudem, was wir in Niedersachsen bereits als deutlichen Handlungsbedarf identifiziert und schon Maßnahmen initiiert haben: Das Lesen muss gestärkt werden! Sonst besteht das Risiko, dass das Lesen als wichtige Kulturtechnik und als Grundlage für Bildungserfolg verkümmert. Über das Programm „Lesen macht stark“ wollen wir bei Kindern mit Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb möglichst frühzeitig für das Überwinden der Lese-Rechtschreibschwierigkeiten Sorge tragen. Die erforderliche Weiterbildung, damit „Lesen macht stark“ schrittweise eingeführt werden kann, hat bereits begonnen. Mit unserem Maßnahmenplan zur Förderung der Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen haben wir einen wichtigen – und wie PISA zeigt auch den richtigen – Schwerpunkt gesetzt. Diesen Maßnahmenplan werden wir mit Konsequenz umsetzen. Die Entwicklung der Kernkompetenzen der Schülerinnen und Schüler müssen in den Mittelpunkt unserer Bemühungen rücken.

Große Sorge bereitet mir, dass der Bildungserfolg offenbar noch stärker vom Elternhaus abhängt, als in der Vergangenheit. Seit 2009 ist der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status der Eltern und den PISA-Ergebnissen in Deutschland gestiegen und liegt über dem OECD-Durchschnitt. Dieser Befund ist gleichermaßen enttäuschend und inakzeptabel.

Bildung darf endlich kein Luxusgut mehr sein! Daher müssen wir an unserem Kurs der gebührenfreien Bildung festhalten. Der kürzlich erschienene IQB Bildungstrend 2018 hat gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status der Familie und den erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen einen relativ niedrigen Wert aufweist.

Wir brauchen einen ernsthaften Diskurs ohne ideologische Scheuklappen. Mehr Investitionen in die gesamte Bildungskette müssen ebenso diskutiert werden, wie innovative Lehr- und Lernformate.

Zudem ist eine Debatte darüber notwendig, was die Schulen leisten können und sollen und welche Verantwortung die Eltern zu tragen haben. In den letzten Jahren ist jede Menge an neuen Aufgaben und an Verantwortung auf die Schulen zugekommen. Immer wenn ein Problem auftritt, dann sollen die Schulen und Lehrkräfte das lösen. Das kann meiner Ansicht nach nicht so weitergehen. Es gibt zahlreiche Phänomene, die sich zwar in Schule äußern, ihre Ursachen aber an anderer Stelle haben.

Wir müssen die Ziele der Schule wieder fokussieren auf den Bildungs- und Erziehungsauftrag: Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Kompetenzen in den unterschiedlichen Fächern sowie insbesondere in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen ausbauen und zudem zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern werden, die zu demokratischer Teilhabe befähigt sind.

Grundsätzlich bleibe ich skeptisch, was die ständigen und in sehr kurzen Abständen veröffentlichten Bildungsstudien, Schul-Testereien und Leistungsvergleiche anbelangt. Die Aussagekraft ist zumeist begrenzt, die Rahmenbedingungen oft nicht vergleichbar, die Ergebnisse häufig nicht einfach verwertbar. Dies gilt vor allem für internationale Studien, zu denen auch PISA gehört. Diese Skepsis werde ich daher auch nach PISA 2018 nicht ablegen – gleichwohl liefert diese Studie einige wichtige Denk- und Handlungsanstöße für die Bildung in Deutschland und damit natürlich auch in Niedersachsen.“


Kultusminister Grant Hendrik Tonne  
Artikel-Informationen

03.12.2019

Ansprechpartner/in:
Sebastian Schumacher

Nds. Kultusministerium
Pressesprecher
Hans-Böckler-Allee 5
30173 Hannover
Tel: 05 11/1 20-71 48

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