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Entlastungen durch Aufhebung der Archivierung von Klassenarbeiten und Anhebung der Anrechnungsstunden – Kultusminister Tonne spricht beim Philologenverband über Entlastungen für Lehrkräfte, Digitalisierung und Demokratiebildung


Bei der Vertreterversammlung des Philologenverbandes Niedersachsen (PHVN) hat der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne weitere Entlastungsmaßnahmen für Lehrkräfte angekündigt. „Unterrichtsplanung und -gestaltung, das Kerngeschäft für Lehrkräfte, benötigt vor allem Zeit als wesentliche Ressource“, sagte Tonne am (heutigen) Mittwoch in Goslar. Mit dem 11-Punkte-Plan für die Entlastung für Lehrkräfte seien wichtige Weichen gestellt und viele Punkte nach einem intensiven Austausch mit den Lehrerverbänden, Gewerkschaften und dem Landeselternrat bereits umgesetzt worden. Als nächsten Schritt kündigte der Kultusminister beim Philologenverband an, die zeitaufwendige Verpflichtung zur Archivierung von Klassenarbeiten aufzuheben. „In einem ersten Schritt haben wir die Archivierungszeit entscheidend verkürzt, durch die komplette Aufhebung der Archivierungspflicht werden Lehrkräfte entscheidend entlastet und haben dadurch mehr Zeit für ihr Kerngeschäft. Ich halte das durchaus für vertretbar“, betonte Tonne. Zusätzlich kündigte der Minister an, Lehrkräfte und Schulleitungen bei der Dokumentation stärker zu entlasten. So sollen Musterkonzepte als Formulierungshilfen oder als Ideenpool auf dem Niedersächsischen Bildungsserver NIBIS zur Verfügung gestellt werden und können intensiv als „good practice“-Beispiele genutzt werden.

Weitere Maßnahmen kündigte Kultusminister Tonne hinsichtlich der Arbeitszeiten und der Niedersächsischen Arbeitszeitverordnung Schule an. „Wir haben in diesem Jahr im Forum Eigenverantwortliche Schule die Veränderungsbedarfe identifiziert und eine Reihenfolge der Entlastungen entwickelt. Nun geht es darum, den Spagat zwischen den Anforderungen der Unterrichtsversorgung, der Anzahl der vorhandenen Lehrkräfte und dem zusätzlichen 13. Jahrgang an den Gymnasien (und Kooperativen Gesamtschulen) auf der einen Seite und der notwendigen schnellen Entlastung auf der anderen Seite zu bewältigen. Dafür benötigt es einen langen Atem“, so Tonne. Eine Maßnahme, die sich aus der Arbeitszeitanalyse ergeben hat, soll mit hoher Priorität ermöglicht werden: Die Anhebung der Anrechnungsstunden für schulfachliche Koordinatorinnen und Koordinatoren um zwei Stunden hat eine hohe Priorität. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die ersten zeitlichen Entlastungen bereits im Laufe des kommenden Schuljahres realisiert werden. Das ist ein ambitionierter Plan, wir werden aber trotzdem dafür ringen“, erklärte Tonne in seiner Rede. Weitere ressourcenintensive Änderungen wie die Anhebung der Altersermäßigung können dann ab den darauffolgenden Schuljahren nach einem mehrjährigen, abgestimmten Stufenplan umgesetzt werden.

Mit Blick auf das Einstellungsverfahren für Lehrkräfte betonte Tonne, dass im Jahre 2020 insgesamt ca. 3.700 Stellen zur Verfügung stehen. Mit einer weiterhin hohen Zahl von Einstellungen würden gute Voraussetzungen dafür geschaffen, die Herausforderung des Schuljahres 2020/2021 auch personell zu bestehen. „Ich bin davon überzeugt, dass die in den letzten Jahren entwickelten schulrechtlichen, organisatorischen und curricularen Neuregelungen dafür sorgen werden, dass der Umsteuerungsprozess mit den ersten Abiturprüfungen nach G 9 am Ende des Schuljahres 2020/2021 erfolgreich abgeschlossen wird“, sagte der Minister. Dabei wolle man aber nicht stehen bleiben: „Nach dem Abitur 2021 werden wir auf einer gesicherten empirischen Grundlage, wie in der Koalitionsvereinbarung festgelegt, die gymnasiale Oberstufe evaluieren. Ich sichere Ihnen eine ergebnisoffene Evaluation zu“, bekräftigte Tonne in seiner Rede.

Eine weitere große Herausforderung sei das Lernen mit digitalen Medien. Die Nutzung digitaler Medien im Unterricht dürfe kein Selbstzweck sein, so Tonne, sondern sie müsse grundsätzlich funktional begründet sein. Dennoch gehöre die Digitalisierung längst zur Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern. „Schule kann hier einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Schülerinnen und Schülern sowohl die Chancen als auch die Risiken digitaler Medien näherzubringen. Dies ist auch ihr ureigener Bildungsauftrag!“ so der Minister. Mit den Anforderungen, die die Digitalisierung an die Schulen stelle, würden neue Aufgaben und Herausforderungen vor allem auf Lehrkräfte zukommen. Daher sei „die Umsetzung der Digitalisierung an Schulen als ein Prozess zu verstehen, zu dem auch Zeit gehöre.“ Für das kommende Jahr nannte Tonne vor dem Philologenverband eine Reihe von Meilensteinen, um die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten: So befindet sich die Niedersächsische Bildungscloud derzeit in der Erprobungsphase und sei ein technisch anspruchsvoller Schritt hin zu zeitgemäßen, kooperativen Lernprozessen, die den Klassenraum verlassen, und an Neugier und Lernwille der Kinder anknüpfen können. „Wir wollen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften eine Umgebung geben, auf der sie informationssicher und datenschutzkonform zusammenarbeiten können“ führte Tonne aus. Darüber hinaus werden im Landeskonzept „Medienkompetenz in Niedersachsen – Ziellinie 2020“ Maßnahmen und Ziele formuliert, die das Lernen im digitalen Wandel in allen Bildungsbereichen umfassen. Dazu gehörten die Verbesserung der medienpädagogischen Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte, die Anpassung der Curricula an eine zeitgemäße Bildung sowie die Förderung der Nutzung von frei zugänglichen, rechtssicheren Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources, OER). Alle Maßnahmen seien eingebettet in das Landeskonzept Medienbildung, sodass das Primat der Pädagogik gewahrt bleiben könne.

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung an Schulen thematisierte der Minister auch die Frage, welche Ziele und Inhalte für die Bildung der Zukunft eine Rolle spielen müssen. „Demokratie ist nicht selbstverständlich und fällt auch nicht vom Himmel und wir dürfen nicht schweigend zusehen, wenn demokratische Grundwerte in Frage gestellt und missachtet werden! Demokratie muss täglich erlebbar sein, die Lern- und Schulkultur muss sich darauf ausrichten“, sagte Tonne. Daher werde die Demokratiebildung in Schulen gestärkt, vielfältige Aktionen und Maßnahmen wie der Initiative „Demokratisch Gestalten“ dienten als Anregungen und Unterstützung. Themen wie Fake News, Mobbing, egal ob im Internet oder „analog“, Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt seien ganz oben auf der Tagesordnung vieler Elternabende. „Da ist ganz grundsätzlich etwas ins Rutschen gekommen, das bereitet mir große Sorge. Unser gemeinsames Ziel, unser gemeinsamer Anspruch muss sein: Jeder und jede an Schule Beteiligte muss angstfrei zur Schule gehen können!“, so der Minister. Tonne kündigte an, dass dieses wichtige Themenspektrum unter Beteiligung der Verbände bereits im Dezember im Forum Eigenverantwortliche Schule weiter diskutiert werde und unter anderem über die Initiative „Demokratisch gestalten“ weiter in die Schulen getragen werde.
Kultusminister Grant Hendrik Tonne  
Artikel-Informationen

27.11.2019

Ansprechpartner/in:
Jasmin Schönberger

Nds. Kultusministerium
Hans-Böckler-Allee 5
30173 Hannover
Tel: 0511 120 7198

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