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Rede des Niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne zu TOP 14 a der Landtagssitzung am 11.09.2019 - Aktuelle Stunde: „Neues Schuljahr, alte Probleme - Trendwende statt Dauerbaustelle“

– Drs. 18/4530 Fraktion der FDP




Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

Zum Einstellungsverfahren

Zum 1. Schulhalbjahr 2019/2020 haben an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen in Niedersachsen 1.777 (Stand: 09.09.2019) neue Lehrkräfte ihren Dienst aufgenommen. Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt – auch im Vergleich zu anderen Bundesländern. Und wir können bis zum Jahresende noch weitere Besetzungen vornehmen.

Wir haben bereits zum jetzigen Zeitpunkt über 350 Lehrkräfte mehr eingestellt, als wir dauerhafte Abgänge verzeichnen (1.777 zu 1.390). Das ist zum wiederholten Mal ein Einstellungsdurchgang, in dem wir einen positiven Saldo erzielen.

Damit werden wir in diesem Jahr die landesweit durchschnittliche Unterrichtsversorgung erneut deutlich verbessern können.

Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass die Situation an einzelnen Stellen dennoch schwierig bleibt: Das betrifft insbesondere die nichtgymnasialen Schulformen des Sekundarbereichs I und einzelne Regionen in Niedersachsen.

Unter den 1.777 neuen Lehrkräften sind auch 137 Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Die Quereinsteigerquote hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert. Über 92 Prozent der neuen Lehrkräfte verfügen über eine grundständige Lehramtsausbildung.

In diesem Kontext ein Wort zu der Behauptung der FDP, die Landesregierung verprelle Bewerberinnen und Bewerber, weil nicht alle vorhandenen Bewerbungen im Einstellungsverfahren berücksichtigt würden und es noch einen geringen Teil von unbesetzten Stellen gebe.

Anrede,

Sie werden in keinem Einstellungsverfahren eine hundertprozentige Passgenauigkeit von Einstellungsmöglichkeiten und Bewerbenden erreichen. Und das wissen auch Sie ganz genau, meine sehr verehrten Damen und Herren von der FDP-Fraktion! Und zwar deshalb, weil einzelne Bewerberinnen und Bewerber eben nicht bereit sind, auf ihren Wunschort zu verzichten oder weil die gewählte Schulform oder Fächerkombination nicht zu den Einstellungsbedarfen passt oder auch weil Schulen und Bewerber im Einzelfall feststellen, dass sie nicht zueinander passen.

Die Landesschulbehörde hat alle Bewerberinnen bzw. Bewerber mit dem Lehramt an Gymnasien mit Brief vom 16.07.2019 angeschrieben und deutlich auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, auch an anderen Schulformen tätig zu werden. Die Bewerberinnen und Bewerber wurden in vielen Fällen auch telefonisch intensiv in diese Richtung beraten. Und ich möchte hinzufügen: Die Landesschulbehörde hat hier insgesamt einen richtig guten Job gemacht. Im Ergebnis erhielt die Landesschulbehörde dennoch oft die Antwort: „nicht meine Wunschschule“ bzw. „nicht mein Wunschort“.

Anrede,

die Herausforderungen des kommenden Schuljahres hat die Landesregierung sehr genau im Blick. Für die Einstellungsbedarfe im Jahr 2020 stehen hinreichend viele Stellen zur Verfügung. Um diese besetzen zu können, wurden z. B. die Kapazitäten im Vorbereitungsdienst zweimal um jeweils 100 im Bereich des Lehramts an Gymnasien angepasst.

Wichtig ist aber auch, eine möglichst hohe Anzahl von Einstellungen an den nichtgymnasialen


Schulformen des Sekundarbereichs I umzusetzen, um diese Schulen gut zu versorgen und zugleich die Abordnungen von den Gymnasien an andere Schulformen entsprechend reduzieren zu können. Ich habe daher zu Beginn des Schuljahres das Sonderprogramm „Starke Sek. I-Schulen“ vorgestellt. Wir werden in diesem Programm verschiedene Maßnahmen entwickeln und umsetzen, um die Sek. I-Schulen gezielt zu unterstützen. Keine davon ist einfach, gleichwohl lohnt jede Anstrengung im Bemühen um vergleichbare Bildungschancen.

Anrede,

Lehrkräfte-Bedarfs-Prognose

Mein Ministerium hat zum Ende des letzten Jahres eine Lehrkräfte-Bedarfs-Prognose für die Zeit bis 2030 vorgelegt und in die Arbeitsgruppe unter Beteiligung von MWK und MK eingebracht. Diese wurde zu den vorhandenen Studienplatzkapazitäten und deren Auslastung in Beziehung gesetzt und Steuerungsbedarfe daraus abgeleitet. Über das Ergebnis der gemeinsamen Arbeitsgruppe werden wir in den nächsten Wochen das Kabinett informieren.

Natürlich werden unsere Prognosen kontinuierlich aufgrund neuer Erkenntnisse überprüft und ggf. angepasst. So basieren unsere eigene und die KMK Lehrkräftebedarfsprognose aus dem letzten Jahr zwar noch auf der 13. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes. Niedersachsen hatte diese Prognose aufgrund der Erkenntnisse des Landesamts für Statistik zum Anstieg der Geburtenzahlen in Niedersachsen bereits zweimal nach oben angepasst. Nun, nach Vorliegen der 14. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, werden wir die Prognose für die nächsten Jahre bis 2030 erneut überprüfen und ggf. anpassen.

Die in diesen Tagen von der Bertelsmann-Stiftung dargestellte Entwicklung ist uns also bekannt und wurde in Niedersachsen in den Prognosen bereits mit berücksichtigt.


Kultusminister Grant Hendrik Tonne  
Artikel-Informationen

11.09.2019

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