Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen gemeinsam stärken: Niedersachsen bündelt Expertise von Schule, Jugendhilfe, Polizei und Justiz
Die Ursachen von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen sind vielschichtig und verändern sich stetig – ebenso wie Präventionsansätze und gesellschaftliche Antworten auf neue Gewaltphänomene. Schulen, Jugendhilfe, Polizei und Justiz berichten von zunehmend komplexen Fallkonstellationen, sich schnell entwickelnden Dynamiken im digitalen Raum und einem wachsenden Bedarf an verlässlicher Zusammenarbeit. Gewaltprävention kann deshalb nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingen.
Für die Niedersächsische Landesregierung gilt ein klarer Grundsatz der Null-Toleranz gegenüber Gewalt. Ein Baustein von vielen ist der Gewaltpräventionserlass („Gewaltprävention und -intervention zur Sicherheit in Schulen in Zusammenarbeit mit Kinder- und Jugendhilfe, Polizei und Staatsanwaltschaft“), der aktuell ressortübergreifend weiterentwickelt wird. Ziel ist es, Schulen noch gezielter bei Prävention und Intervention zu unterstützen, Handlungssicherheit im Umgang mit Gewalt- und Krisensituationen zu stärken und Prävention dauerhaft im Schulalltag zu verankern. In diesem Kontext haben das Niedersächsische Kultusministerium, das Niedersächsische Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung, das niedersächsische Justizministerium sowie das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung am heutigen Mittwoch (18.03.2026) zum zweiten ressortübergreifenden Fachtag „Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen“ eingeladen.
Rund 200 Fachkräfte aus Schule, Polizei, Kinder- und Jugendhilfe, Justiz, Wissenschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft diskutieren erfolgreiche Präventionsansätze und die Frage, wie die Zusammenarbeit über Ressort- und Systemgrenzen hinweg weiter gestärkt werden kann. Um Kinder und Jugendliche vor Gewalt und Radikalisierung zu schützen und zugrundeliegenden psychischen Problemen zu begegnen, braucht es Kooperation und Austausch zwischen den Professionen. Der Fachtag bietet dazu Impulse aus Wissenschaft und Praxis. Im Fokus stehen unter anderem verlässliche regionale Präventionsketten, die Rolle von Polizei und Jugendhilfe sowie Gewaltphänomene im digitalen Raum.
Auf einem Podium diskutierten Kultusministerin Julia Willie Hamburg, Sozialminister Dr. Andreas Philippi, Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann, Innen-Staatssekretär Stephan Manke, die Vorsitzende des Landespräventionsrats Prof. Dr. Susanne Beck, der Vorsitzende des Landesschülerrats Matteo Feind sowie die Vorsitzende des Landeselternrats Miriam Kaschel.
Kultusministerin Julia Willie Hamburg sagt: „Gewaltfreies Aufwachsen und Lernen ist eine gemeinsame Aufgabe von Schule, Jugendhilfe, Polizei und Justiz. Schulen sind Orte des Lernens, aber auch geschütztes Umfeld – vor dem Hintergrund steigender psychischer Belastungen, Verunsicherung und sich verändernder Gewaltphänomene. Schulen erkennen Belastungen früh, stabilisieren Kinder und Jugendliche, bauen Benachteiligungen ab und geben Halt. Wir bauen den Schutz vor Gewalt weiter aus, stärken insbesondere den Schutz vor sexualisierter Gewalt und fördern multiprofessionelle Zusammenarbeit sowie Unterstützungsstrukturen für Schulen. Unsere Handreichungen entwickeln wir konsequent weiter. Für wirksame Prävention ist eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure unerlässlich. Bei Radikalisierung oder Gewalt im Kindes- und Jugendalter müssen alle Ebenen ineinandergreifen, um Entwicklungen früh zu erkennen und abgestimmt zu reagieren. Schulen leisten täglich Beeindruckendes, verfügen über große Expertise und starke Netzwerke. Mein Dank gilt den vielen Fachkräften und allen beteiligten Ressorts für den engen Schulterschluss.“
Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann sagt: „Wir wollen, dass die Schulen in Niedersachsen sichere Orte zum gemeinsamen Arbeiten und Lernen sind. Essenziell ist deshalb die Präventionsarbeit auf kommunaler Ebene – an den einzelnen Schulen vor Ort und darüber hinaus. Dadurch kann zielgerichtet auf die Ursachen der von Kindern und Jugendlichen ausgehenden Gewalt eingewirkt werden. Im Justizministerium haben wir zum einen ein Programm zur Prävention schwerwiegender Kinder- und Jugendgewalt als auch ein Programm zur Prävention von Partnerschaftsgewalt unter Jugendlichen - denn Gewalt in der Schule endet oftmals nicht mit Unterrichtsschluss. Sie setzt sich sowohl im analogen als auch digitalen Raum fort. Wenn dennoch Straftaten begangen werden, dann müssen sie frühzeitig erkannt und konsequent verfolgt werden. Mit dieser Konzeption können wir die Resilienz von Schülerinnen und Schülern weiter stärken und die Schule als Schutzraum nachhaltig gestalten.“
„Sozialminister Dr. Andreas Philippi betont insbesondere die Wichtigkeit der ressortübergreifenden Zusammenarbeit: „Ich begrüße sehr, dass wir als Sozialministerium zum ersten Mal an der Erarbeitung eines neuen Gewaltpräventionserlasses mitgewirkt haben. Prävention vor Intervention zu setzen, zeigt eine gemeinsame Haltung und stellt somit die Weichen für eine gesunde Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen. Meine tiefe Überzeugung ist: Gewaltschutz ist letztlich auch Kinderschutz‘, hier sind wir alle gefordert. Stellvertretend nenne ich die Verpflichtung der Schulen, ein Schutzkonzept zur Prävention von sexualisierter Gewalt zu entwickeln. Auch bei dem Landeskinderschutzgesetz, das mein Haus gerade auf den Weg bringt, spielen Prävention und interdisziplinäre Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Es wird einen Beirat Kinderschutz geben, der unter anderem daran arbeitet, Handlungsbedarfe zu identifizieren und abgestimmte Präventionsstrategien unter Einbeziehung der bereits bestehenden Strukturen auf den Weg zu bringen.“
Der Staatssekretär des Ministeriums für Inneres, Sport und Digitalisierung, Stephan Manke, erklärt: „Die aktuellen Lagebewertungen zeigen zwar rückläufige Zahlen in der Jugenddelinquenz, doch bleiben insbesondere die Fallzahlen tatverdächtiger Kinder im Bereich der Rohheits- und Gewaltdelikte weiterhin auf einem hohen Niveau. Eine Entwarnung ist daher nicht angezeigt. Deshalb setzen wir auf wissenschaftlich fundierte Präventionskonzepte, verlässliche regionale Netzwerke und eine enge Abstimmung zwischen Schulen, Polizei, Jugendhilfe und Justiz. Gewaltprävention ist eine gemeinsame Aufgabe. Unser Ziel ist klar: Kinder und Jugendliche müssen in einem Umfeld aufwachsen können, in dem Sicherheit, Prävention und frühzeitige Unterstützung Hand in Hand gehen. Die Polizei Niedersachsen ist dabei ein verlässlicher Partner.“
Kultusministerin Julia Willie Hamburg
Artikel-Informationen
erstellt am:
19.03.2026
Ansprechpartner/in:
Bela Mittelstädt
Nds. Kultusministerium
Hans-Böckler-Allee 5
30173 Hannover
Tel: 0511/120-7198

