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Rede der Niedersächsischen Kultusministerin Frau Julia Willie Hamburg am 28.01.2026 im Niedersächsischen Landtag zu TOP 19a: Aktuelle Stunde der Fraktion der AfD: „Das Ende der schriftlichen Division in der Grundschule“, LT-Drs. 19/09678


– Es gilt das gesprochene Wort –


Anrede,

wir sprechen heute über schriftliches Dividieren, aber ich möchte mit einer Addition beginnen: es geht um plus drei. Exakt drei Stunden mehr gibt es als zusätzliche Lernzeit an den Grundschulen, um die Basisqualifikationen der Schülerinnen und Schüler beim Lesen, Schreiben und Rechnen zu stärken! Allein diese simple Plus-Rechnung zeigt: diese Landesregierung investiert massiv in bessere Bildung. Dazu zählt übrigens nicht nur die „Sichere Basis“, sondern auch die 3.800 zusätzlichen Stellen für Lehrkräfte, das Startchancen-Programm, der Ausbau multiprofessioneller Teams, die digitalen Endgeräte ab Klasse sieben und viele weitere Maßnahmen. All das machen wir, damit Kinder und Jugendliche gut lernen können.

Bei all dem und auch beim Thema schriftliches Dividieren geht es mitnichten um die Absenkung qualitativer Standards, wie einige behaupten. Es geht um Leistung! Kinder und Jugendliche wollen etwas leisten und Selbstwirksamkeit erleben. Sie wollen die Erfahrung machen, besser zu werden, zu lernen, etwas zu erreichen. Wir wollen Schülerinnen und Schüler in Lage versetzen, Leistung zu erbringen!

Unser Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen mathematische Kompetenzen bestmöglich zu vermitteln. Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sie gut rechnen können.

Und hier besteht Handlungsbedarf – und zwar massiv: der IQB-Bildungstrend wie auch andere Leistungsvergleiche haben in der Vergangenheit gezeigt, dass zu viele Schülerinnen und Schüler die Mindeststandards nicht erreichen. Und wir handeln! Daher ändern wir neben den eingangs bereits genannten Maßnahmen die Vorgehensweise in den Schulen, um die mathematische Kompetenz von Schülerinnen und Schülern zu stärken. Darum geht es!

Anrede,

weder steht der Untergang des Abendlandes noch das Ende der schriftlichen Division auf dem Programm. Märchen sind maximal etwas für den Deutschunterricht. Bei der Diskussion um Grundrechenarten sind Märchen keine geeignete Basis.

In Wahrheit stimmt an der ganzen Debatte genau eins: Niedersachsen verschiebt im Einklang mit den aktuellen und 2022 mit Zustimmung aller Bundesländer verabschiedeten Bildungsstandards das sogenannte „schriftliche Dividieren“ aus der Grundschule in die Sekundarstufe I. Es wird auch weiterhin in der vierten Klasse das Dividieren gelehrt!

Anrede,

nun konkret zu den Hintergründen:

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2004 einen ”kompetenzorientierten” Kurs eingeschlagen. Und diesen setzen wir auch in Niedersachsen um.

Tatsächlich werden alle Kinder auch künftig lernen, Aufgaben des schriftlichen Dividierens zu lösen. In den Grundschuljahren üben die Kinder jedoch als erstes die Division mit halbschriftlichen Rechenstrategien, bevor sie dann auf der weiterführenden Schule die klassische schriftliche Division lernen. Fachleute unterstützen diesen Schritt, denn er erlaubt den Kindern, die Zwischenschritte selbst aufzuschreiben und nachzuvollziehen.

Wir möchten vermeiden, dass Schülerinnen und Schüler Verfahren des schriftlichen Dividierens lediglich auswendig lernen und automatisiert anwenden, ohne ein tieferes Verständnis für das Verfahren zu haben. Das Ziel ist, allen Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Methodenwissen zu vermitteln.

Anrede,

fünf weitere Länder haben entsprechende Änderungen angestoßen. Was im Mathematikunterricht in Niedersachsen geschieht, ist demnach weder spektakulär, noch ein bildungspolitischer Alleingang.

Als Kultusministerin ist es meine Aufgabe, zu schauen, wie wir dafür sorgen, dass die Kinder bestmöglich lernen und individuell gefördert werden. Das ist mein Anspruch. Ich möchte, dass wir schrittweise besser werden. Genau dafür investieren wir massiv in die Qualität der Bildung, beispielsweise durch mehr Stunden in den Grundschulen.

Dazu gehört für mich übrigens auch, dass wir auf Qualitätsdaten setzen, denn Erkenntnis schafft Klarheit – und ist die Grundlage für Veränderungsprozesse. Daher setzen wir zukünftig wieder auf ein Bildungsmonitoring. Zum Beispiel mit dem Wiedereinstieg in Vera im Kontext des Startchancen-Programms. Wir wollen wissen, wo Kinder und Jugendliche Defizite aufweisen. Und wir wollen wissen, welchen Effekt welche Maßnahme hat. Damit schaffen wir die notwendige Transparenz und eine fundierte Basis für erforderliche Anpassungen.

Letztlich zählt, dass unsere Kinder mathematische Basiskompetenzen erwerben und dass sie die Division verstehen und anwenden können. Wann und wie sie das lernen, sollte an empirischen Erkenntnissen orientiert sein – und nicht an Märchenerzählungen.

Vielen Dank!


Kopfbild einer Frau   Bildrechte: MK/Ole Spata

Kultusministerin Julia Willie Hamburg

Artikel-Informationen

erstellt am:
28.01.2026

Ansprechpartner/in:
Britta Lüers

Nds. Kultusministerium
Pressesprecherin
Hans-Böckler Allee 5
30173 Hannover
Tel: 0511 120 7148

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