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Rede der Nds. Kultusministerin Hamburg am 28.01.2026 im Landtag zu TOP 30 - Schulabschlüsse

Anrede,

jeder junge Mensch, der die Schule ohne Abschluss verlässt, ist einer zu viel. Und leider betrifft das nicht nur Einzelne, sondern eine deutlich zu hohe Anzahl. Das können wir nicht akzeptieren. Deshalb werden wir das ändern – mit engagiertem Handeln und konkreten Maßnahmen!

Auch wenn die Gründe oft vielfältig und individuell sind, so ist mit Blick auf die gestiegene Zahl von Jugendlichen ohne Schulabschluss davon auszugehen, dass insbesondere die Folgen der Schulschließungen aufgrund der Coronapandemie sowie die gestiegene Zahl von Schülerinnen und Schülern, die erst im Laufe der Schulzeit aus verschiedenen Gründen, z. B. dem Angriffskrieg auf die Ukraine, zu uns gekommen sind, zumindest in jüngster Vergangenheit eine wichtige Rolle spielen. Hier ist auch der starke Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg zu nennen. Diesen müssen wir durchbrechen, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen.

Gerade weil die Gründe für den Nichterfolg in der Schule multikausal sind, gibt es nicht die eine simple Antwort. Daher geht es auch nicht um das eine Konzept, das die CDU hier fordert. Nein, die notwendigen Veränderungen müssen viel breiter angelegt sein – und sie haben auch ohne den vorliegenden Entschließungsantrag längst begonnen. Mein Haus arbeitet an einem abgestimmten Paket von Maßnahmen, die vielfältig wirken. Unser damit verbundenes Ziel ist eine nachhaltige Senkung der Schulabbrecherquote.

Wir wollen beispielsweise genau wissen, welche Defizite welcher Schüler aufweist – und welche Maßnahme welchen Effekt hat. Dafür bringen wir ein neues Konzept für ein durchgängiges Bildungsmonitoring auf den Weg, das u. a. Lernstanderhebungen und Vergleichsarbeiten sowie eine Schüler-ID umfasst. Denn damit können Bildungsverläufe individuell besser nachvollzogen und junge Menschen noch gezielter unterstützt werden.

Die folgenden, bereits begonnenen Maßnahmen hingegen wirken kurzfristig und unmittelbar und beginnen bereits bei den Kleinsten, damit sie von Anfang an Wirkung entfalten und die Grundlage für einen erfolgreichen Schulabschluss legen:

Wir geben mehr Raum für gezieltes Fördern und Stärken. So fördern wir die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen durch die Einführung der zusätzlichen Lernzeit „Sichere Basis“ für unsere Grundschulen mit insgesamt drei zusätzlichen Unterrichtsstunden, um Defizite in den Grundfertigkeiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Hierzu tragen der Ausbau und die Verstetigung des Programms „Lesen macht stark“, die Einführung des Programms „Mathe macht stark“, zahlreiche Fortbildungsangebote oder die Bereitstellung digitaler Tools zur Lernstandsdiagnostik maßgeblich bei.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, dass der Anteil der Lernenden, die mit Blick auf die Basiskompetenzen nicht die Mindeststandards erreichen, und damit natürlich auch den Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss langfristig erheblich zu senken.

Anrede,

auch mit dem Startchancenprogramm soll - wie Sie wissen - die Erreichung der Basiskompetenzen sowie die Ausbildungsfähigkeit junger Menschen unterstützt werden. Ein Indikator des Programms ist dabei, bis zum Ende der Programmlaufzeit die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die derzeit die Mindeststandards in Mathematik und Deutsch verfehlen, zu halbieren.

Zusätzlich erproben wir im Rahmen des Projekts „Erweiterte Ausgangsstufe“ zurzeit an drei Schulen eine Verlängerung der Unterrichtszeit zur Erreichung des Hauptschulabschlusses.

Damit nicht genug. Der neue Erlass zur Berufsorientierung macht diese individueller und praxisnäher. Deshalb erhöhen wir z. B. die Anzahl der Praxistage und machen Betriebspraktika an Gymnasien auch im Sekundarbereich I verpflichtend. Durch frühzeitige und praxisnahe Orientierung werden Übergänge in Ausbildung und Studium in Zukunft reibungsloser gestaltet.

Anrede,

auch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund werden mit besonderen Angeboten bedarfsgerecht und gezielt unterstützt. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem Recht auf Schulbildung vom ersten Tag an sowie integrativer schulischer Sprachförderung, denn der Erwerb der deutschen Sprache ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe sowie schulischem und beruflichem Erfolg.

Die beste Förderung – gerade für leistungsschwächere, unterstützungsbedürftige und inklusiv beschulte Schülerinnen und Schüler – erfolgt durch eine individualisierte Herangehensweise. Entscheidend ist, dass die Förderung nach einem individuellen Förderplan erfolgt.

Anrede,

das MK arbeitet intensiv an weiteren Fördermöglichkeiten - auch zur emotional-sozialen Stärkung der Kinder und Jugendlichen, so dass in Zukunft ein durchgängiges umfassendes Unterstützungsangebot für alle Kinder und Jugendlichen angeboten werden kann. Und auch der Ausbau der schulischen Sozialarbeit spielt dabei eine wichtige Rolle.

Wir wollen Schule so gestalten, dass junge Menschen bestmögliche Leistungen erbringen können! Unsere Gesellschaft verändert sich, daher muss auch Schule sich verändern und weiterentwickeln. Daher ist auch der Freiräume-Prozess ein wichtiger Beitrag, um neue Konzepte und gutes Lernen zu etablieren. Wir wollen Schule damit besser machen, damit zukünftig weniger Schülerinnen und Schüler durchs Raster fallen!

Angesichts dieser Maßnahmen bin ich zuversichtlich, die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss nachhaltig und wirksam zu senken.

Vielen Dank!


Kopfbild einer Frau mit freundlichem selbstbewussten Blick   Bildrechte: MK/Ole Spata

Kultusministerin Julia Willie Hamburg

Artikel-Informationen

erstellt am:
28.01.2026

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