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Förderrichtlinie Lüften an Schulen

Vor dem Hintergrund der neuen Delta-Variante von SARS CoV-2 und der Ermangelung von Impfangeboten für jüngere Schülerinnen und Schüler unter 12 Jahren wird die Richtlinie „Sächliche Schutzausstattung für Schulen“ mit der „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von technischen Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften an Schulen“ fortgeschrieben.

Klassen und sonstige Unterrichtsräume, die nur eingeschränkt belüftbar sind, können mit mobilen und stationäre Luftfilteranlagen ausgestattet werden. Diese Fördermöglichkeit besteht für alle Schulen.

Gleiches gilt für Anzeigegeräte zum CO2-Gehalt der Luft im Bereich der Klassenräume („CO2-Ampeln“). Auch diese können nach wie vor gefördert werden, sofern sie einen Messbereich von mindestens 3.000 ppm aufweisen. Erforderlich ist zudem eine Alarmierungsfunktion (z. B. optische Anzeige oder akustisches Signal).

Neu hinzu kommt eine Schwerpunktfördermöglichkeit für Klassen und sonstige Unterrichtsräume der Schuljahrgänge 1 - 6, da für Schülerinnen und Schüler dieser Altersgruppe absehbar keine Impfangebot zur Verfügung stehen wird. Um angesichts der Delta-Variante den Schutzstatus für diese Schülerinnen und Schüler zu erhöhen, können technische Lüftungsunterstützungsmaßnahmen aus dem neuen Programm finanziert werden. Dabei kann es sich zum Beispiel um einfache Zu-/Abluftanlagen (sog. Fensterventilatoren) oder automatisierte kontrollierte Fensterlüftungen handeln. Diese neue Fördermöglichkeit besteht für alle Klassenräume dieser Jahrgänge. Also unabhängig davon, ob die Räume gut oder weniger gut belüftet werden können, die Fensterventilatoren könnten so oder so angeschafft werden.

Diese Lösungen sind eine unkomplizierte Alternative und Flankierung des Bundesprogrammes zum Neueinbau von stationären Raumlufttechnischen-Anlagen (RLT) in Einrichtungen für Kinder unter 12 Jahren.

Das Bundesprogramm sieht eine Förderung von bis zu 80 Prozent bei Anschaffung und Einbau vor. Dieser Fördergrundsatz wird für die neue Landesrichtlinie übernommen, das Land wird also 80 Prozent der Kosten übernehmen, 20 Prozent übernehmen die Schulträger.

Das Förderprogramm wird ebenfalls in einem ersten Schritt 20 Millionen Euro umfassen. Das Geld kommt aus dem Corona-Sondervermögen.


Die Förderrichtlinie wurde am 8. 9. 2021 im Niedersächsischen Ministerialblatt bekannt gemacht.


FAQ - Häufig gestellte Fragen


Was ist Gegenstand der Förderung?


I. Luftgüteampeln

Gefördert wird die Beschaffung von Luftgüteampeln (CO2-Ampeln) ( zur Unterstützung der bedarfsorientierten infektionsschutzgerechten Lüftung.


Sind auch CO2-Ampeln förderfähig, die neben CO2 weitere Messgrößen bei der Lüftung berücksichtigen?

01.09.2021

CO2-Ampeln, die über die CO2-Konzentration hinaus, noch weitere Parameter messen, sind dann förderfähig, wenn sichergestellt ist, dass die Alarmierungsfunktion beim Erreichen des Schwellenwerts (z. B. 1.000 ppm CO2) nicht übersteuert wird.


II. Mobile Luftfiltergeräte

01.09.2021

Mobile Luftfilteranlagen werden weiterhin durch das Land gefördert. An dieser Stelle besteht Kontinuität. Förderfähig ist die Anschaffung oder Anmietung von mobilen Luftfiltergeräten zum vorübergehenden Einsatz in Unterrichtsräumen gefördert, soweit die Räume nur eingeschränkt über die Fenster gelüftet werden können.

Dies ist insbesondere anzunehmen für

  • Räume, in denen nur Oberlichter oder sehr kleine Fensterflächen geöffnet werden können (Fenster nur kippbar bzw. Lüftungsklappen mit minimalem Querschnitt),
  • innenliegende Fachräume,
  • Räume mit RLT-Anlagen mit Umluftbetrieb und ohne ausreichende Filter, in denen Fenster nicht geöffnet werden können,
  • Unterrichtsräume, wenn die Lüftung eine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit und damit eine Unterrichtsstörung bedeutet. Zum Beispiel, wenn der erforderliche Platz vor den geöffneten Fensterflügeln im Raum nicht vorhanden ist und die Fensterflügel somit in den Sitzbereich der Schülerinnen und Schüler hineinragenund diese daher während des Lüftens ihre Plätze verlassen müssen.

  • Räume, die nicht die Anforderungen der Arbeitsstättenrichtlinie Lüftung (ASR Lüftung 3.6) erfüllen.

Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt hat auf der Basis des aktuellen Wissensstandes dazu folgende Merkblätter veröffentlicht:

  • Bedeutung mobiler Luftreinigungs-Geräten für Infektionsrisiken durch SARS-CoV-2 Prüfsteine und Handlungsempfehlungen
  • Mobile Luftfilteranlagen in Klassenräumen – eine sinnvolle Ergänzung zur Lüftung?

Diese Merkblätter und weitere Hinweis finden Sie unter https://www.nlga.niedersachsen.de/startseite/umweltmedizin/luft/coronavirus_schulen/coronavirus-schulen-199250.html


Können auch mehrere Luftreinigungsgeräte pro Raum gefördert werden?

01.09.2021

Ja, zur Einhaltung der Schallpegels oder des Mindestvolumenstromens (siehe Nr. 3.2 der Technischen Mindestanforderungen – Anlage 1).


III. Einfache Lüftungsanlagen

Welche Anlagen sind mit einfachen Zu- und Abluftanlagen gemeint?

Das Niedersächsische Kultusministerium gibt hier keine Lösung vor und kann auch keine Empfehlung geben.

Unter einfachen Zu- und Abluftanlagen können System verstanden werden, die durch die Montage eines Außenventilators (an Fenster/Wand) auf Deckenhöhe als Verdrängungslüftung die von den Personen erwärmte warme Luft oben absaugen. Über eine weitere Zuluftöffnung (Oberlicht) strömt kalte Luft in den Raum nach. Die Luft wird dabei nur geringfügig gemischt. Diese Art der Lüftung ist energetisch am günstigsten, wenn die „verbrauchte“ Luft an der Decke abgeführt wird. Sie ist zum Stoßlüften und zum Dauerlüften geeignet.

Dieser Ansatz wird von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, von Herrn Prof. Eberhard Bodenschatz (MPIDS) und Herrn Dr. Alfred Mennekes vorgeschlagen.

https://www.dpg-physik.de/veroeffentlichungen/aktuell/2021/offener-brief-klassenraeume-besser-belueften-ein-vorschlag

Auch der Vorschlag des MPI Chemie Mainz mit lokalen Abzügen entspricht diesem Prinzip.

Ergänzend kann eine Steuerung abhängig von der Raumtemperatur und der Kohlenstoffdioxidkonzentration sinnvoll sein.

Welche Lösungen fallen unter kontrollierte Fensterlüftungen?

Das Niedersächsische Kultusministerium gibt hier keine Lösung vor und kann auch keine Empfehlung geben. Bei einer automatisierten kontrollierten Fensterlüftung (auch: geregelte motorisch unterstütze Fensterlüftung) erfolgt die Steuerung der Fenster (z. B. Oberlichter) über Stellmotoren und wird abhängig von der Raumtemperatur und der Kohlenstoffdioxidkonzentration geregelt. So eine Lösung lässt sich auch im Bestand gut nachrüsten und verhindert ein zu starkes Absinken der Raumtemperatur.

Siehe auch:

a) FGK-Status Report Nr. 22 – Lüftung von Schulen

https://downloads.fgk.de/downloader.php?FILENAME=174_SR_22_Schullueftung_V4_Internet_010611.pdf

b) BINE-Themeninfo I/2015: Lüften in Schulen

Sind auch andere Lösungen möglich?

Alternative technische Lösungen zur Lüftung sind gleichrangig möglich, z. B. Schachtlüftungen.

Werden auch Raumlufttechnische-Anlagen gefördert?

Nicht gefördert wird der Neueinbau von fest installierten raumlufttechnischen Anlagen, d. h. Lüftungsanlagen mit Frischluftzufuhr.

Diese können über das Förderprogramm des Bundes "Corona-gerechte stationäre raumlufttechnische (RLT-)Anlagen" u. a. in allgemein bildenden Schulen für Kinder unter 12 Jahren und deren öffentliche und private Träger gefördert werden. Die Schulträger können beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) die Fördermittel beantragen. Gefördert werden die Investitionsausgaben sowie die Ausgaben für Planung und Montage in Höhe von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Die maximale Förderung beträgt 500.000,00 Euro pro Standort.

Nr. 11.3 (Kumulierungsverbot) der Förderrichtlinie des Bundes schließt bei Inanspruchnahme von öffentlichen Mitteln anderer Förderprogramme für dieselben Maßnahmen eine Förderung aus. Eine Aufstockung der Förderung durch das Land (Zuförderung) ist daher ausgeschlossen.

Informationen zu dieser Förderrichtlinie gibt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unter www.bafa.de/DE/Energie/Energieeffizienz/Raumlufttechnische_Anlagen_neu/Neueinbau/neueinbau_node.html

Werden auch Selbstbaulösungen gefördert?

Lüftungsanlagen müssen fachgerecht geplant, eingebaut und betrieben werden.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung rät vom Selbstbau von Luftreinigern und Lüftungsanlagen in Schulen ab, da bei selbstgebauten Anlagen werden Fragen der Sicherheit, der Hygiene und des Brandschutzes nicht ausreichend beachtet werden. https://www.dguv.de/de/mediencenter/pm/pressearchiv/2020/quartal_4/details_4_415446.jsp

Ist ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn möglich?

Eine Ausnahme vom Verbot des vorzeitigen Maßnahmenbeginns wird zugelassen, sofern die Maßnahmen ab dem 15. Juli 2021 begonnen wurden.


Bewilligungsbehörden

Hinweise zur Richtlinie sowie Details zum Antragsverfahren erhalten Sie bei den Regionalen Landesämtern für Schule und Bildung.

Download

Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von technischen Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften an Schulen

Nds. MBl. Nr. 36/2021 vom 08.09.2021, S. 1447 ff.

Artikel-Informationen

erstellt am:
19.07.2021
zuletzt aktualisiert am:
10.09.2021

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