Erste Einführung des regulären Unterrichtsfachs Niederdeutsch – Kultusministerium würdigt Engagement für regionale Sprachenvielfalt und zeichnet Plattdeutsche und Saterfriesische Schulen aus
[Diese Presseinfo wurde am 17.06.2026 aktualisiert bzw korrigiert -> kursiv]
„Platt und Saterfriesisch sind cool“. Das können Schülerinnen und Schüler bereits an mehr als 300 Schulen in Niedersachsen erleben. Mit der Genehmigung des Faches Niederdeutsch als Fremdsprache an der Oberschule Uplengen führt Niedersachsen Niederdeutsch zum ersten Mal als ordentliches Fach an einer Schule ein.
Heute schreiben wir ein neues Kapitel für unsere Sprachenvielfalt in Niedersachsen: Damit wird Niederdeutsch als reguläres Unterrichtsfach fest im Schulalltag verankert. Die Förderung unserer Regionalsprachen ist für uns ein wichtiges Anliegen auch und gerade zur Pflege der Sprachenvielfalt im Land. Dass Schülerinnen und Schüler sie an der Oberschule Uplengen nun ab dem kommenden Schuljahr offiziell lernen können, ist ein echter Meilenstein. Wir geben diesen Sprachen nicht nur Raum im Klassenzimmer, sondern eine Zukunft – lebendig, hörbar und getragen von einer neuen Generation. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, diese Sprache in Niedersachsen mit noch mehr Leben zu füllen und zu erhalten“, freut sich Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg.
Zudem wurden heute (Donnerstag) vier weitere Schulen als „Plattdeutsche Schule“ oder „Saterfriesische Schule“ ausgezeichnet. Damit tragen inzwischen bereits 50 Schulen in Niedersachsen diesen Titel. Kultusstaatssekretär Stephan Ertner zeichnete die Schulen auf einer Veranstaltung in Aurich aus und erneuerte zugleich die Anerkennung für vier weitere Schulen. Die Auszeichnungen würdigen das besondere Engagement dieser Schulen für den Erhalt und die Förderung der Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch und Saterfriesisch in Niedersachsen. Sie setzen damit ein starkes Zeichen dafür, dass diese Sprachen nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt und an die nächste Generation weitergegeben werden. Stephan Ertner: „Die heute ausgezeichneten Schulen zeigen eindrucksvoll, wie regionale Sprachen mit Engagement und Kreativität im Schulalltag gelebt werden können. Sie bewahren unser kulturelles Erbe nicht nur, sie halten es lebendig.“
Neu ausgezeichnete Schulen:
- Katholische Grundschule Ramsloh
- Grundschule Völlenerfehn
- Christian-Gymnasium Hermannsburg
- IGS Buxtehude
Rezertifizierte Schulen:
- Hermann-Tempel-Schule IGS Ihlow
- BBS Gesundheit und Soziales Landkreis Grafschaft Bentheim
- Grundschule (kath.) St. Heinrich-Schule, Ellenstedt
- Oberschule Edewecht
Die zertifizierten Schulen zeichnen sich durch vielfältige Aktivitäten im Unterricht und im Schulalltag aus, die dazu beitragen, Niederdeutsch und Saterfriesisch lebendig zu halten und an jüngere Generationen weiterzugeben. Besonders hervorgehoben wird dabei die kontinuierliche Arbeit der Lehrkräfte sowie das Engagement der Schülerinnen und Schüler.
Hintergrund:
Die Regionalsprache Niederdeutsch und die Minderheitensprache Saterfriesisch sind Ausdruck von sprachlicher und kultureller Vielfalt in Deutschland. Die sogenannten kleinen Sprachen sind wichtige Bestandteile der Mehrsprachigkeit. Wer zweisprachig mit Hochdeutsch / Niederdeutsch aufwächst, lernt leichter weitere Fremdsprachen.
Der Niedersächsische Landtag hat 2017 in einem Entschließungsantrag die Weiterentwicklung des Niederdeutschunterrichts hin zu einem ordentlichen Unterrichtsfach beschlossen. Bisher erfolgt der Unterricht in der Regel im Wahlpflichtbereich, in Arbeitsgemeinschaften oder im Rahmen der Ganztagsangebote. Die Oberschule Uplengen ist nun die erste Schule in Niedersachsen, die dieses Unterrichtsangebot vorhalten kann. Die Genehmigung gilt erstmals für jene Schülerinnen und Schüler, die zum 01.08.2026 in den 6. Schuljahrgang der Oberschule Uplengen eintreten. Die Schule unterstützt damit gleichzeitig die Universität Oldenburg, an der der lehramtsbezogene Studiengang Niederdeutsch seit 2023 angeboten wird und stellt z. B. Plätze für die Durchführung von Schulpraktika zur Verfügung. Gleichzeitig können in Uplengen ab 2028 benötigte Ausbildungsplätze für Referendarinnen und Referendare im Vorbereitungsdienst für das Unterrichtsfach Niederdeutsch zur Verfügung gestellt werden.
Fachlehrkräfte der OBS Uplengen haben ebenfalls die Mitarbeit an der Weiterentwicklung der Curricularen Vorgaben für das Fach Niederdeutsch im Sekundarbereich I und der entsprechenden Entwicklung eines Kerncurriculums für dieses Fach zugesagt und können wichtige Impulse und Erfahrungen aus dem Fachunterricht einbringen. Die aktuellen Vorgaben sollen bis 2028 in ein reguläres Kerncurriculum weiterentwickelt werden.
Artikel-Informationen
erstellt am:
04.06.2026
zuletzt aktualisiert am:
17.06.2026
Ansprechpartner/in:
Bela Mittelstädt
Nds. Kultusministerium
Hans-Böckler-Allee 5
30173 Hannover
Tel: 0511/120-7198
