Nds. Kultusministerium klar

Nachhaltige Schülerfirmen (NaSch)

ein Erfolgsmodell in Niedersachsen


Das Netzwerk der Nachhaltigen Schülerfirmen in Niedersachsen besteht aus 820 Nachhaltigen Schülerfirmen (NaSch) und durchläuft seit den 90er Jahren einen stetigen Wachstumsprozess. Seit 2012 gibt es zudem eine Zertifizierung in den Stufen bronze, silber und gold. Bisher konnten über 50 Schülerfirmen zertifiziert werden. Die Zertifizierung orientiert sich an einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, am Orientierungsrahmen Schulqualität und dem EFQM-Modell für Berufsbildende Schulen.

Nachhaltige Schülerfirmen (NaSch) finden im Unterricht nach Stundentafel (z. B. in Wirtschaft, Arbeit Wirtschaft Technik oder Hauswirtschaft) oder im Wahlpflicht und AG-Bereich statt. Nachhaltige Schülerfirmen sind besondere Unterrichtsprojekte, in denen die Schülerinnen und Schüler sehr selbständig agieren können. Die Lehrkraft nimmt hier zunehmend eine Moderatorenrolle ein. Die Verantwortung für die Schülerfirma wird von Anfang an weitgehend an die Schülerinnen und Schüler abgegeben, die später selbständig Entscheidungen in ihrem Unternehmen fällen. Die Schülerinnen und Schüler lernen durch die Arbeit in einer Schülerfirma verschiedene Bereiche der Berufs- und Arbeitswelt kennen und kooperieren auch mit realen Unternehmen.

Betreut wird das Netzwerk von einer Landesfachkoordination und 15 Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren, die landesweit in Arbeitskreisen mit den Lehrkräften der Schulen zusammenarbeiten.

Schulen erhalten eine Gründungsberatung und weitere Unterstützung für die Arbeit in den Nachhaltigen Schülerfirmen. Außerdem führen die Regionalkoordinationen regelmäßige Arbeitskreissitzungen für Lehrkräfte durch und organisieren regionale Schülerfirmenmessen. Sie vermitteln Kontakte zu Wirtschaftspartner und anderen Schülerfirmen mit ähnlichen Produkten. Der regelmäßige Austausch mit den Partnern aus der Wirtschaft dient auch der Berufsorientierung.

Über das Beratungs- und Unterstützungssystem der Niedersächsischen Landesschulbehörde kann der Kontakt zu den Regionalkoordinationen aufgenommen werden. Auf der Homepage der Niedersächsischen Landesschulbehörde www.nlschb.de finden Sie den Bereich Beratung und Unterstützung. (Klicken Sie: Beratung und Unterstützung, Schulen und Studienseminare, Schulentwicklung und Schulqualität, Bildung für nachhaltige Entwicklung)


Schülergenossenschaften in Niedersachsen

Der Genossenschaftsverband e.V. fördert bundesweit die Gründung von Schülergenossenschaften. Ziel ist es, Schülerinnen und Schülern das genossenschaftliche Unternehmenskonzept nahe zu bringen.

In Niedersachsen kooperiert das Niedersächsische Kultusministerium mit dem Genossenschaftsverband e.V. und dem Genossenschaftsverband Weser-Ems. Bisher existieren 64 Schülergenossenschaften in Niedersachsen. Sie organisieren ihren Betrieb in der Rechtsform einer Genossenschaft. Die Schülerinnen und Schüler lernen so alle Organe und Organisationsprinzipien einer Genossenschaft kennen. Die Schülergenossenschaften unterziehen sich zudem jedes Jahr einer Prüfung, die vom Genossenschaftsverband durchgeführt wird. Die Schülerinnen und Schüler erleben dadurch eine realistische Arbeits- und Lernsituation und erhalten Rückmeldung von Experten. Die Produktpalette der Schülerfirmen und -genossenschaften reicht von Eine-Welt-Läden, Schulkiosken, Schulkleidung bis hin zu Holzprodukten, Imkereien und PC-Dienstleistungen. Weitere Informationen und Materialien über Schülergenossenschaften in Niedersachsen finden Sie unter: www.schuelergenossenschaften.de/

Eine überregionale Plattform für den Austausch von Informationen zum Thema Schülergenossenschaft inklusive aktueller Forschungsbeiträge bietet die Homepage der Fachhochschule Frankfurt am Main: www.genoatschool.de


Zur Niedersächsischen Erfolgsgeschichte der Nachhaltigen Schülerfirmen (NaSch)

Es begann in Niedersachsen 1999 mit dem Bund-Länderkommission(BLK)-Programm 21 „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung". 15 Bundesländer beteiligten sich. Niedersachsen wählte das Modul 12 „Schülerfirmen zwischen Ökonomie und Ökologie", das neben zwei weiteren Modulen in einer fünfjährigen Modellphase entwickelt wurde. 15 „Pilot-Schülerfirmen" wurden in dieser Zeit gegründet. Die Homepage www.nasch21.de des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts gehört immer noch zu den am häufigsten angewählten Fachseiten in Deutschland.

Die beschriebenen vielfältig berührten Themen und Entwicklungsmöglichkeiten und die beeindruckenden positiven Erfahrungen überzeugten die Verantwortlichen, in dem Anschlussprogramm Transfer 21 (2004-2008) das Netzwerk der Nachhaltigen Schülerfirmen in Niedersachsen zu gründen. Die zum Schluss der ersten Phase ausgebildeten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Nachhaltige Schülerfirmen gründeten 2004 sieben Arbeitskreise in Niedersachsen, in denen Lehrkräfte beraten werden, was bei der Gründung einer Schülerfirma zu beachten. Bis 2007 wuchs das Netzwerk auf über 200 Nachhaltige Schülerfirmen (NaSch). In einem zweijährigen Modellversuch „Nachhaltige Schülergenossenschaften" (2006-2008) förderte der Genossenschaftsverband Nord (GVN) die Gründung von 11 Nachhaltigen Schülerfirmen in Genossenschaftsform.

Die im Programm Transfer 21 entstandenen Strukturen wurden 2008 durch das Niedersächsische Kultusministerium und die Landesschulbehörde weiter verstetigt. Im Herbst 2010 bestand das NaSch-Netzwerk aus einer Landeskoordination, einem Fachkoordinator für Nachhaltige Schülergenossenschaften und 16 Arbeitskreisen mit ca. 330 Nachhaltigen Schülerfirmen. Immer mehr kommunale Schulträger, wie z.B. die Stadt Hannover oder die Landkreise Diepholz und Gifhorn, bemerkten, dass Schülerinnen und Schüler aus Nachhaltigen Schülerfirmen Berufserfahrung und Schlüsselqualifikationen aufweisen, die Ihnen den Entwicklungsweg zu dringend benötigten Fachkräften in der Region erleichtern. Ein Teil der Arbeitskreise NaSch wurde deshalb von den Kommunen finanziell und personell unterstützt.

Ein wenig Mut gehört schon dazu, eine nachhaltige Schülerfirma zu gründen, zumal die Rolle der Lehrkraft gegenüber den Schülern eine zurückhaltende, beratende ist und alle Beteiligten sich an dieses neue Gefüge gewöhnen müssen. Partizipation und die Bereitschaft von allen, Verantwortung für ihre Aufgaben zu übernehmen stehen als Grundlagen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln eine attraktive Geschäftsidee, stellen neben der Firmenleitung das gesamte Personal der Firma, führen Einstellungsgespräche und nehmen manchmal auch notwendige Entlassungen vor.

Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 21 hat maßgebliche zukunftsfähige Veränderungen im Wirtschafts-, Sozial- und Umweltverhalten von Bevölkerungen, Wirtschaftsunternehmen und Politik zum Ziel. Wichtig ist nicht der kurzfristige geldwerte Gewinn, sondern die längerfristigen gesellschaftlichen Ergebnisse menschlichen Handelns. Dieses Bewusstsein bei den Schülerinnen und Schülern zu stärken und in einer stark wissensdominierten Welt einen verbesserten Übergang von der Schule zur Berufsausbildung zu ermöglichen ist Ziel der Schülerfirmenarbeit.

Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Nachhaltige Schülerfirmen und Schülergenossenschaften leiten derzeit 15 Arbeitskreise, in denen Lehrkräfte sich regelmäßig treffen, um die nötige Beratung für die Gründung von Schülerfirmen zu bekommen und sich mit den Schulen im Netzwerk bezüglich guter Erfahrungen, neuer Ideen und Lösung von unvermeidlichen Problemen auszutauschen. Die Schulen werden beraten zur Gründung einer Nachhaltige Schülerfirma oder Schülergenossenschaft, zur schulischen Organisation der Firma als Unterrichtsprojekt, zur Aufstellung eines Businessplans, zu den fiskalischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, zur Buch- und Lagerhaltung, zur möglichen Personalqualifizierung mit Hilfe externer Partner, zur Beschaffung von Finanzmitteln, zum Marketing und zum Verfolgen der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Nachhaltigkeitsdimensionen im jeweiligen Geschäftsfeld.

Die Nachhaltigen Schülerfirmen in Niedersachsen existieren an allen Schulformen der allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen. Etwa ein Drittel von ihnen ist im Bereich Gemeinschaftsverpflegung in Schule (Schulkiosk und Catering) aktiv. Weitere Geschäftsfelder sind z.B. Fahrradreparaturwerkstätten, nachhaltige Reisebüros, die nachhaltige Klassenfahrten organisieren, Holzwerkstätten, Betreiber von Photovoltaik- und Solaranlagen, Handel mit nachhaltigen Büroartikeln, Eine-Welt-Läden, Herstellen von Taschen aus Recyclingmaterialien oder das Verleihen von Kunstobjekten an Praxen und Kanzleien.

Erste wissenschaftliche Evaluationsergebnisse bestätigen die Berichte der Schülerinnen und Schüler und der Lehrkräfte. Das selbstverantwortliche und selbst organisierte Handeln hilft, bisherige Schwierigkeiten zu überwinden und gesellschaftliche und berufliche Bezüge zu erkennen. Personale Kompetenzen werden gefördert und die Eigenmotivation spürbar erhöht. Ökonomisches Basiswissen wächst gleichzeitig mit dem Bewusstwerden von nachhaltigem und nicht nachhaltigem Handeln. Die Auseinandersetzung mit realen Problemen fördert die Ernsthaftigkeit der eigenen Erkenntnisprozesse und des eigen Handelns.

Austausch, Organisation und Kommunikation sind zentrale Elemente innerhalb der Arbeit einer Schülerfirma.

Die neue NaSch-Community App unterstützt dies und bietet dafür verschiedene Möglichkeiten. Sie steht sowohl für Android- als auch für iOS-Smartphones und Tablet-PCs unter dem Namen „NaSch“ ab sofort kostenlos zur Verfügung.
Die App, welche von der Freien Universität Berlin in Zusammenarbeit mit der Eduversum GmbH und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) realisiert wurde, erlaubt allen Mitgliedern der NaSch-Community die direkte zeit- und ortsunabhängige mobile Nutzung ausgewählter bestehender Community-Funktionen der Plattform über Smartphones und Tablets. Dabei ist sie an die nutzerfreundlichen Datenschutz-Bestimmungen der NaSch-Community-Plattform gebunden und somit datenschutzrechtlich für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte unbedenklich nutzbar. „Mit der App eröffnen wir einen zusätzlichen Kommunikationskanal, über den sich die Mitglieder der NaSch-Community mobil austauschen und miteinander kommunizieren können. Eine noch flexiblere Nutzung der NaSch-Community, unabhängig von fest installierten Computern oder festen Zeiten, in denen in den Schülerfirmen gearbeitet wird, ist damit möglich“, so Prof. Dr. Gerhard de Haan vom Institut Futur der Freien Universität Berlin. Dafür stellt die App verschiedene Funktionen zur Verfügung – Interaktivität und Individualisierung spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die NaSch-Community wurde in den letzten Jahren mit Unterstützung durch den Landeskoordinator für NaSch in Niedersachsen aufgebaut.

Flyer: Wie Nachhaltige Schülerfirmen im Schulleben wirken

Kürzlich ist ein neuer Flyer zu Nachhaltigen Schülerfirmen erschienen. Wenn Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen von der Idee der Nachhaltigen Schülerfirmen überzeugen möchten, nutzen Sie den Flyer. Ebenso können Sie sich darüber informieren, was eine Nachhaltige Schülerfirma ausmacht.

Sie finden diesen im Bereich Publikationen des MK unter sonstige Veröffentlichungen oder in der untenstehenden Linkliste.

 

Messe der Nachhaltigen Schülerfirmen 2014

Im Gebäude der Hochschule Hannover, Expo Plaza 2, fand die erste landesweite Messe der Nachhaltigen Schülerfirmen statt.

Mehr dazu finden Sie im Bereich "NaSch-Messe" in der linken Spalte. Ein Video von Schülerinnen und Schülern der KGS Hemmingen finden Sie untenstehend in der Linkliste.

Artikel-Informationen

29.06.2015

Ansprechpartner/in:
Frau Petra Peter

Nds. Kultusministerium
Referentin für Berufsorientierung
Schiffgraben 12
30159 Hannover

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