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Niedersächsischer Schülerfriedenspreis 2015 verliehen – Heiligenstadt: „Eine Haltung der Nachdenklichkeit und Mitmenschlichkeit kultivieren"

Im Rahmen einer Feierstunde im Gästehaus der Niedersächsischen Landesregierung sind am (heutigen) Donnerstag fünf Schulen mit dem Niedersächsischen Schülerfriedenspreis 2015 und dem Sonderpreis für Zivilcourage 2015 ausgezeichnet worden. Die diesjährigen Siegerschulen erhielten Urkunden sowie Sach- und Geldpreise. Dabei wurde der erste Preis gleich zweimal vergeben. Anlässlich der Verleihung sagte Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt:


„Unsere Schulen sind Orte gelebter Vielfalt und treten entschlossen jeder Form von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus entgegen. Die Projekte der diesjährigen Preisträgerschulen zeigen in eindrucksvoller Weise, wie die Vermittlung dieser Werte im Schulalltag umgesetzt wird. Ich freue mich zu sehen, mit wie viel Empathie, Engagement und Ernsthaftigkeit sich Schülerinnen und Schüler beispielsweise auf die Spuren ermordeter Jüdinnen und Juden begeben oder wie sie mit den Folgen der Anschläge von Paris umgehen. Krieg, Verfolgung und Ausgrenzung sind Themen, die junge Menschen nicht nur vor dem aktuellen Hintergrund stark umtreiben. Der Schülerfriedenspreis trägt dazu bei, in den Köpfen und Herzen heranwachsender junger Menschen eine Haltung der Nachdenklichkeit, der Mitmenschlichkeit und Verantwortung zu kultivieren."


Der Schülerfriedenspreis des Niedersächsischen Kultusministeriums wird jährlich als Anerkennung für hervorragende Initiativen und über die Schule hinaus wirkende Projekte an Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte des Landes Niedersachsen sowie gegebenenfalls deren (auch ausländische) Partnerschulen vergeben. Ausgezeichnet werden Leistungen, die der Förderung des interkulturellen Zusammenlebens, der Verbesserung der Völkerverständigung, der Vorbeugung gegen Gewalt und/oder dem Abbau von Vorurteilen dienen. Die Auszeichnung der Schulen wird seit der ersten Auslobung von der Westermann Gruppe unterstützt. Das Braunschweiger Unternehmen beteiligt sich mit Sachspenden: Die aktuellen Preisträger erhalten neben dem Preisgeld des Landes auch Gutscheine für Lehr- und Lernmedien.

Die Preisträger:

Oberschule Seesen  
Oberschule Seesen
Oberschule Seesen  
Oberschule Seesen
Gymnasium Carolinum Osnabrück  
Gymnasium Carolinum Osnabrück
Gymnasium Carolinum Osnabrück  
Gymnasium Carolinum Osnabrück
Gaußschule, Gymnasium am Löwenwall, Braunschweig  
Gaußschule, Gymnasium am Löwenwall, Braunschweig
Gaußschule, Gymnasium am Löwenwall, Braunschweig  
Gaußschule, Gymnasium am Löwenwall, Braunschweig
Graf Anton Günther-Schule, Oldenburg  
Graf Anton Günther-Schule, Oldenburg
Graf Anton Günther-Schule, Oldenburg  
Graf Anton Günther-Schule, Oldenburg
Gymnasium Langenhagen  
Gymnasium Langenhagen
Gymnasium Langenhagen  
Gymnasium Langenhagen

Die diesjährigen Preisträger:


1. Sieger Oberschule Seesen und das Gymnasium Carolinum Osnabrück

Preisgeld je 1000 Euro


Oberschule Seesen


Die Projekte und Initiativen, für die die Oberschule Seesen ausgezeichnet wird, beziehen sich u. a. auf den Holocaust und das jüdische Leben in Seesen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Beitrag, mit dem sich die Schule um die Präsentation einer Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin in der Stadt Seesen beworben hat: Im Rahmen einer Bildungsinitiative ist das Museum seit 2007 mit mobilen Ausstellungen unterwegs und besucht weiterführende Schulen im gesamten Bundesgebiet. Mit einem Leporello zur jüdischen Geschichte Seesens gelang es zwei Schülerinnen der Oberschule, die Ausstellung in ihre Stadt zu holen. An der Schule wurde die Ausstellung durch Seminare vorbereitet und ergänzt, alle 670 Schülerinnen und Schüler konnten sie besuchen. Die schulische Forschungsarbeit zur Geschichte der Stadt wurde vertieft im Rahmen eines Bewerbungsbeitrags für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Dazu hat die Schule einen Film über das Wirken Israel Jacobsons in Seesen und sein Anliegen eines friedlichen Zusammenlebens von Juden und Christen gedreht. Dieser Film wird auch im Geschichtsunterricht eingesetzt. Höhepunkt des Projekts war eine Forschungsfahrt des 10. Jahrgangs nach Auschwitz mit einem umfangreichen Vorbereitungsprogramm: Schülerinnen und Schüler führten Zeitzeugeninterviews durch, übernahmen die Pflege und Patenschaften von „Stolpersteinen" in Seesen, recherchierten über einzelne Opferschicksale und bereiteten die Ergebnisse für das Städtische Museum auf, das unter anderem zwei öffentliche Veranstaltungen dazu organisierte. Derzeit bereitet eine weitere Schülergruppe eine Fahrt nach Polen vor, um die begonnenen Forschungen zu vertiefen.


Gymnasium Carolinum Osnabrück.


Zwanzig Schülerinnen und Schüler des 9. - 12. Jahrgangs der Schule nahmen im Frühjahr 2014 an einem Workshop „Was heißt denn hier Frieden?" teil. Anlass war das Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und die deutsch-französischen Beziehungen. In diesem Zusammenhang wurde eine „Storyline" für den Film „In Europa nichts Neues" erstellt - angelehnt an und angeregt durch Erich-Maria Remarques berühmten Roman. Bei den szenischen Proben dazu nahmen die Schülerinnen und Schüler auch die Hilfe des Erich-Maria Remarque-Friedenszentrums in Anspruch sowie die sprachlichen Detailkenntnisse ihrer französischen Partner-Austauschschülerinnen und -schüler. Der fertige Film wurde beim Gegenbesuch der Partnerschule in Frankreich, dem Lycée St Martin in Rennes, gemeinsam angeschaut und diskutiert, ebenfalls im Rahmen eines Seminars „100 Jahre Erster Weltkrieg". Absicht des Films ist es, die Erinnerungskultur anzuregen und zum Nachdenken über unsere Vergangenheit einzuladen und so die Bildung einer europäischen Zivilgesellschaft zu fördern. So heißt es denn auch im Untertitel des Films beschwörend: „2014: EURO-Krise, Krim-Krise, Rechtsruck in Europa, Euro-Skeptiker auf dem Vormarsch - Gibt es bald wieder Krieg in Europa?"


2. Sieger Gaußschule, Gymnasium am Löwenwall in Braunschweig

Preisgeld 800 Euro


Die Schule überzeugte die Jury mit ihrem Projekt „Toleranz?". Der Kurs Darstellendes Spiel des Abiturjahrgangs 2015 erstellte dazu eine unterhaltsame Collage zum Thema „Bereicherung durch kulturelle Vielfalt", um mit Hilfe von Verfremdungseffekten zu zeigen, wie „absurd die Aufteilung in Deutsche und Ausländer ist". Die Collage vereint Elemente aus Film, Musik, persönlichen Erfahrungen, brisanten politischen Themen und teils bitterbösem Humor zu einem eindrucksvollen Plädoyer für Respekt. Zu der Collage gehört ferner der Film „Allez!", der in Video-Clip-Optik und kurzen Interview-Sequenzen das Leben von Deutschen und Ausländern in Braunschweig thematisiert.


3. Sieger Graf-Anton-Günther-Schule, Gymnasium des Landkreises Oldenburg

Preisgeld 600 Euro


"GEH DENKEN. ÜBER LEBEN" - unter dieses Motto im Rahmen des Oldenburger Erinnerungsganges 2015 hat die Schule ihr Siegerprojekt gestellt. Der Oldenburger Erinnerungsgang erinnert jährlich an die nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938, als jüdische Oldenburgerinnen und Oldenburger von Nazis durch ihre Heimatstadt getrieben wurden. Er wird getragen vom Oldenburger Arbeitskreis „Erinnerungsgang" und, im jährlichen Wechsel, jeweils von einer Oldenburger Schule. Schülerinnen und Schüler der Graf-Anton-Günther-Schule haben sich mit dieser Thematik im Unterricht beschäftigt, geforscht, Unterrichtsmaterial erstellt und ihre Ergebnisse in Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Gottesdienstprogrammen und Gesprächsrunden präsentiert. Die schulische Vorbereitungsgruppe war - mit zahlreichen Kooperationspartnern - mehr als ein Jahr damit beschäftigt.


Zivilcouragepreis 2015: Gymnasium Langenhagen

Preisgeld 800 Euro


Die Schulgemeinschaft des Gymnasiums Langenhagen - eine Schulgemeinschaft aus zahlreichen Nationen, Kulturen und Religionen - hat sich mit ihrem Aktionstag "Friedenszeit" beworben, der am 27.2.2015 fand mit breiter und engagierter Mitwirkung aller Klassen des Gymnasiums Langenhagen die Veranstaltung "Friedenszeit" statt. Nach den Anschlägen in Paris im letzten Jahr und vor dem Hintergrund der großen Flüchtlingsströme hatte die Klasse 8 B gemeinsam mit einigen muslimischen Mitschülerinnen und Mitschülern der Parallelklassen bereits am 21.1.2015 die Aktion "Pause für den Frieden" gestaltet. Zwei Religions- bzw. Kunstkurse hatten zur Unterstützung eigene Texte und Plakate gestaltet, auf denen die Bedeutung von Respekt und Toleranz im Umgang miteinander und die Ablehnung von Rassismus und Gewalt zum Ausdruck gebracht wurden. Im Anschluss an diese Aktion wurde jedoch deutlich, dass das Bedürfnis, diese Botschaft in größerem Rahmen mit allen an Schule Beteiligten unter Lehrern und Schülern zu verdeutlichen, sehr groß war. So entstand die Idee, die "Friedenszeit" zu konzipieren.


Durch den engagierten Einsatz vieler Klassen, unter anderem auch der neu eingerichteten Sprachlernklasse, und auch einzelner Schülerinnen und Schüler, die sich mit Gedichten, Gebeten, Liedern, Fotos und Szenen beteiligen wollten, entstand ein Aktionstag mit fünf verschiedenen Friedenszeiten. Zu den Programmpunkten gehörte auch eine Weltkarte, auf der mit Punkten jeder Schüler/jede Schülerin seine bzw. ihre geographischen Wurzeln verorten konnte. Sie hing während der Veranstaltung für alle sichtbar in der Aula, genauso wie das Logo "We are one", entworfen vom Kunstprofil Jahrgang 11. Die sprachliche Vielfalt wurde auch deutlich durch die Wortbeiträge der Schülerinnen und Schüler, die in ihrer jeweiligen Muttersprache ihre Gedanken zum Frieden vortrugen: Türkisch, Kurdisch, Polnisch, Russisch, Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Ziel des Projektes war, eine interkulturelle Gemeinschaft zu demonstrieren, Mitgefühl mit Flüchtlingen und Angehörigen von Kriegs- und Fluchtopfern zu äußern und das Bedürfnis der Schule nach einem friedlichen Miteinander zu zeigen.

Oberschule Seesen  

Oberschule Seesen

Artikel-Informationen

25.02.2016

Ansprechpartner/in:
Sebastian Schumacher

Nds. Kultusministerium
Pressesprecher
Schiffgraben 12
30159 Hannover
Tel: 05 11/1 20-71 48

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