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Grußwort von Staatssekretärin Gaby Willamowius auf dem Bildungskongress 2018 „Lernen in der Zukunft“ am 05. November 2018 in Osnabrück


Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

haben Sie zunächst vielen Dank für die Einladung zum bereits fünften Bildungskongress der Bildungsregionen Landkreis und Stadt Osnabrück gemeinsam mit Hochschulen und Stiftungen, der ich sehr gerne gefolgt bin.

Ich bin sicher, kaum einer von Ihnen wird bezweifeln, dass unsere Welt zukünftig eine andere sein wird. Angesichts des dynamischen, sich ständig verändernden Umfelds, in dem wir uns bewegen, sicher kein Zweifel. Wie genau unser Leben einmal aussehen wird, lässt sich heute noch nicht mit Gewissheit sagen.

Fest steht jedoch, dass die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die wir beobachten, große Auswirkungen auf den gesamten Bildungsbereich und das „Lernen in der Zukunft“ haben werden. Ein aktuelleres Thema als das des heutigen Tages hätten Sie daher für diesen Kongress nicht wählen können.

Die Tatsache, dass die Bildung der Zukunft derzeit in der gesamten Bundesrepublik, ja sogar in vielen Teilen der westlichen Welt, auf verschiedenen Foren, Veranstaltungen und Konferenzen intensiv diskutiert wird, bestätigt Ihren Ansatz.

Lassen Sie uns mutig sein, mit Neugier nach vorne blicken und gemeinsam – für unsere Kinder und die Zukunft unseres Landes – Bildung in Niedersachsen neu denken.

Es stellt sich die Frage, wie junge Menschen,

  • die im Umfeld der Globalisierung und Digitalisierung und unter veränderten familiären und sozialen Rahmenbedingungen aufwachsen,
  • deren Erstsprache möglicherweise nicht Deutsch ist und
  • die selbst ganz bestimmte Erwartungen an das Lernen, an Schule und Ausbildung haben,

zukünftig bestmöglich gemeinsam lernen und zugleich in ihrer Bildungsbiografie individuell unterstützt werden können.

Immer dringlicher werden auch Antworten auf die Frage, wie es endlich gelingen kann, allen Kindern und Jugendlichen Teilhabe zu ermöglichen. Der Schlüssel liegt auf der Hand: nur durch Bildung, und zwar in erster Linie durch selbstbestimmte Bildung.

Viel zu häufig schreiben Kinder und Jugendliche die Ergebnisse ihrer Bildungsprozesse nicht den eigenen Fähigkeiten, der eigenen Kompetenz zu, sondern äußeren Umständen. Das fördert nicht ihr Gefühl, selbstwirksam zu sein. Wie wir aber Barrieren interpretieren, ist von maßgeblicher Bedeutung für Selbstwirksamkeit und Leistungsfähigkeit. Die Lern- und Leistungsziele müssen für junge Menschen zudem von persönlicher Bedeutung sein, denn dadurch werden Motivation, Anstrengung und Ausdauer sowie ein konstruktiver Umgang mit Rückschlägen gewährleistet.

Anrede,

aber wie muss sie denn nun sein, die Bildung der Zukunft?


  • Was und wie sollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene lernen, um teilhaben zu können?
  • Welches „Rüstzeug“, welche „Zukunftskompetenz“ benötigen junge Menschen, um eine friedliche, gerechte und ökologische Gesellschaft aufzubauen, in der Unterschiedlichkeit der Normalfall ist?
  • Und welche konkreten Auswirkungen hat das auf Lerninhalte und Methoden, auf Lernorte, Zeitrahmen und Rhythmisierung?
  • Was bedeutet dies für die Rolle von Lehrkräften, von Erzieherinnen und Erziehern und vieler weiterer Akteure im Bildungsbereich?
  • Wie wirken sich diese Erkenntnisse auf deren Ausbildung aus?

Antworten auf diese offenen Fragen werden nicht so leicht fallen wie die kritische Sichtweise auf den Ist-Zustand. Ideen und Visionen werden oft schon in einem frühen Stadium „vom Tisch gewischt“. Sie scheitern an Bedenken zur Umsetzbarkeit oder an diffusen Ängsten vor Veränderung, bevor sie überhaupt zu konkreten Leitbildern werden können.

Dabei sind gerade Visionen zur Bildung der Zukunft so wichtig, um über den eigenen Tellerrand und Horizont hinaus zu blicken und Undenkbares für möglich zu halten.

Visionen reichen über den Tag, den Monat, das Jahr hinaus.

Anrede,

in diesem Sinne ist eine gemeinsame Vision, ein gemeinsames Ziel als „roter Faden“ für die Bildung der Zukunft von fundamentaler Bedeutung. Die Kultuspolitik bietet wie kaum ein anderer Bereich Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Gestaltung. Doch nur wenn wir es schaffen, jenseits von tagesaktuellen Herausforderungen bildungspolitische Maßnahmen in einen größeren Zusammenhang zu stellen, werden wir das Thema „Bildung der Zukunft“ gemeinsam konstruktiv bearbeiten können. Was wir brauchen, sind Visionäre, Querdenker, Weiterdenker: Menschen, die ihre Ideen einbringen und die den Mut haben, dabei alte Muster zu durchbrechen!

An dieser Stelle setzt das Projekt „Bildung 2040“ an, das im Niedersächsischen Kultusministerium gerade vor wenigen Tagen angelaufen ist. Dieses Projekt ist uns eine Herzensangelegenheit, denn hiermit möchten wir einen „roten Faden“ für unsere Bildungspolitik erarbeiten. Auf breiter öffentlicher Basis und unter Einbezug vieler Perspektiven wollen wir darüber diskutieren, wie Bildung im Jahr 2040 aussehen könnte und sollte.

Gefragt sind hier Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Eltern, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und der Kommunal- und Landesverwaltung. Sie alle sind aufgefordert, sich im Rahmen des Projekts an der Diskussion um die bestmögliche Bildung für Niedersachsen zu beteiligen.

Das heißt nicht, dass wir die aktuellen Herausforderungen ignorieren – es heißt, dass wir zusätzlich den Blick weiter nach vorne richten, langfristig und innovativ arbeiten wollen.

Es ist an der Zeit, sich grundsätzlich mit Bildung zu befassen. Es ist an der Zeit, zu überprüfen, ob die alten Muster und Denkweisen noch Gültigkeit haben. Es ist an der Zeit, sich die Frage zu stellen, ob die Schule von heute unsere Kinder ausreichend auf das Leben von morgen vorbereitet.

Viele unterschiedliche Wege können zum Erfolg führen – das wissen wir. Und doch halten wir zu oft noch an alten Strukturen fest, die auf Angst basieren, anstatt auf Vertrauen.

Margret Rasfeld, eine renommierte Bildungsinnovatorin und Schulleiterin i. R. aus Berlin sprach in diesem Zusammenhang von sogenannten Musterbrüchen: Es steht außer Frage, dass wir im Bildungsbereich schon allein aus Gründen der Gerechtigkeit ein gewisses Maß an Standardisierung benötigen. Doch in welchem Maße wollen wir Normierungs- und Standardisierungskräfte wirken lassen? Und an welchen Stellen müssen wir bewusst den Mut für Musterbrüche aufbringen, um Freiheiten zu gewinnen? Freiheiten, die dann genutzt werden können, um junge Menschen zu einem selbstkritischen Durchdenken zu befähigen.

Das Projekt „Bildung 2040“ sieht hier verschiedene Möglichkeiten der Beteiligung vor: Zum einen können Sie sich auf der Website www.bildung2040.de nicht nur über den aktuellen Stand des Projekts informieren, sondern auch ganz direkt Ihre Meinung und Ihre Ideen mitteilen. Hier können Sie sich auch von den Visionen anderer inspirieren lassen und erfahren, wo in Ihrer Nähe Sie „live“ mitdiskutieren können. Neben der Möglichkeit, sich online einzubringen, wird derzeit ein Veranstaltungszyklus vorbereitet, der quer durch Niedersachsen zu Diskussionsrunden zur „Bildung 2040“ einlädt. Hier sind alle herzlich willkommen, die sich an der Debatte um gute zukünftige Bildung beteiligen möchten.

Anrede,

auch Ihnen hier vor Ort war der Ansatz, diejenigen, die direkt betroffen sind, zu Beteiligten zu machen und sie nach Ihren Wünschen und Ihrer Einschätzung zu fragen, sehr wichtig. Im Vorfeld des Kongresses haben sie daher mit Kindern und Jugendlichen aus Kitas und Schulen Zukunftswerkstätten durchgeführt, um diese nach ihren Ideen und Vorschlägen für das Lernen in der Zukunft zu fragen. Ich bin überzeugt, dass auf diesen spannenden Gedankengängen die Diskussionen in den heute geplanten Zukunftswerkstätten sehr gut aufbauen können und viele innovative Ideen und Lösungen entwickelt werden.

Der "Bildungsraum Kommune" bzw. die Bildungsregion wird in dieser Hinsicht eine immer größere Bedeutung einnehmen, weil man die gesellschaftlichen Herausforderungen nur in einem koordinierten Zusammenwirken der verschiedenen Bildungsakteure wirkungsvoll angehen kann. Insellösungen werden aus meiner Sicht keine Zukunft haben.

Insbesondere in der Kommune als Lebens- und Lernraum haben Kinder und Jugendliche die Chance, andere Menschen und ihre Sichtweisen in der Realität kennen zu lernen, sich mit dem Anderssein bewusst auseinanderzusetzen und Konflikte für die Zukunft positiv zu nutzen.

Hier können sie sich in verantwortungsvollen Aufgaben in der Realität erproben und sich in ihrer Gestaltungskompetenz als selbstwirksam erleben. Die Entwicklung einer solchen Partizipationskultur in Kitas, Schulen und Ausbildungsstätten kann am besten mit dem Ausbau von regionalen Bildungslandschaften bzw. Bildungsregionen gelingen.

Daher ist es mir wichtig, dass Ihre Impulse vom heutigen Tage nicht nur für die Regionen Stadt und Landkreis Osnabrück, sondern auch für das gesamte Land im Rahmen des Projekts Bildung 2040 eine motivierende und nutzbringende Wirkung entfalten. Ergreifen wir also heute die Gelegenheit, Gestaltungsmöglichkeiten kreativ in den Blick zu nehmen und über unseren eigenen Tellerrand hinaus zu denken! Lassen Sie uns darüber nachdenken, wie und was unsere Kinder lernen sollten:

  • Was von dem Tradierten sollten wir bewahren, weil es sich bewährt hat?
  • Was sollte verändert oder angepasst werden?
  • Wo müssen wir ganz neu denken und brauchen echte Innovationen?

Die Zukunft liegt in den Händen unserer Kinder und Jugendlichen. Unser aller gemeinsame Aufgabe ist es, die jungen Menschen auf ihrem Weg in die Zukunft bestmöglich zu unterstützen und zu begleiten, damit sie den Herausforderungen der Zukunft begegnen können.

In diesem Sinne wünsche ich uns einen erfolgreichen Kongress!

Artikel-Informationen

05.11.2018

Ansprechpartner/in:
Sebastian Schumacher

Nds. Kultusministerium
Pressesprecher
Schiffgraben 12
30159 Hannover
Tel: 05 11/1 20-71 48
Fax: 05 11/1 20-74 51

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