Nds. Kultusministerium klar

Bündnis Duale Berufsausbildung

Ein weiterer Schulversuch zur Dualisierung der Klasse 1 der Berufsfachschule unter Einschluss der Fachoberschule, Klasse 11, wird in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung im kommenden Schuljahr an bis zu 10 berufsbildende Schulen auf den Weg gebracht. Zwingende Vorgabe ist es, dass Angebote der Berufsschule nicht beeinträchtigt werden und koordinierte Beratungsstrukturen in der Gebietskörperschaft arbeiten oder im Aufbau sind. Neben der Dualisierung der BFS, die zu Klebeeffekten zum Übergang in eine duale Berufsausbildung führen soll, wird gleichzeitig das bisher freie Praktikum der FOS, Klasse 11, zukünftig eine klare Struktur erhalten.Für die Niedersächsische Landesregierung hat die Sicherung der Fachkräftebasis hohe Priorität. Er gilt, die Leistungsfähigkeit der niedersächsischen Wirtschaft zu erhalten und auszubauen. Daher hat sie gemeinsam mit den niedersächsischen Arbeitsmarktpartnern die Fachkräfteinitiative Niedersachsen initiiert. Das Bündnis Duale Berufsausbildung (BDB) ist ein wichtiger Baustein in dieser Initiative. Ziele sind die Stärkung des dualen Systems der Berufsausbildung und der Erhalt dessen Funktionsfähigkeit. Dazu sollen das Übergangssystem fokussiert und die Gleichwertigkeit sowie Attraktivität der dualen Ausbildung zu anderen Bildungswegen herausgestellt werden.
Die duale Berufsausbildung ist ein Erfolgsmodell, das eine fundierte praxisbezogene Ausbildung für den mittleren Qualifikationsbereich gewährleistet und zugleich weitere berufliche Karrierewege eröffnet. Dennoch steht sie vor großen Herausforderungen, die neben der demografischen Entwicklung mit der primären Fokussierung der Jugendlichen auf wenige Ausbildungsberufe einhergehen. Zusätzliche Konkurrenz erwächst dem dualen System durch den verstärkten Trend zum Erwerb höherer allgemeinbildender Schulabschlüsse, hochschulischer Ausbildungen sowie anderer Ausbildungsmöglichkeiten.

Mit dem BDB soll der Vorrang der dualen Berufsausbildung vor anderen Formen der Berufsausbildung gesichert werden. Dies erfordert eine Stärkung der Berufsorientierung in allen Schulformen, die Sicherung der wohnortnahen Beschulung, ein koordiniertes Beratungsangebot und Wege der Integration von unversorgten Jugendlichen in duale Berufsausbildung. Das Einstiegssystem, in dem Jugendliche zunächst in vollzeitschulischen Angeboten oder Maßnahmen der freien Bildungsträger verbleiben, ist anzupassen, um Schülerinnen und Schülern den direkten Einstieg in eine reguläre Berufsausbildung zu erleichtern. Einige Berufsausbildungen sind nicht im System der dualen Berufsausbildung verortet. Dies trifft insbesondere für die sozialen Berufe und Gesundheitsberufe zu. Sie sind daher nicht Gegenstand der Beratungen im BDB.
Am BDB beteiligen sich alle für die berufliche Bildung auf Landesebene relevanten Organisationen wie die Sozialpartner, Kammern, die kommunalen Spitzenverbände, die Regionaldirektion Niedersachsen/Bremen der Bundesagentur für Arbeit sowie die zuständigen Ressorts der Landesregierung. Gemeinsam wurden Handlungsempfehlungen für regional und sektoral angepasste Lösungen erarbeitet. Das gemeinsame Positionspapier der Wirtschafts- und Sozialpartner im Landesausschuss für Berufsbildung „Integration in Berufsausbildung - Eckpunkte zum Thema Übergang Schule - Beruf in Niedersachsen" sowie der Handlungsrahmen der Fachkräfteinitiative Niedersachsen bildeten die Ausgangspunkte für die Erörterungen.

In seiner Sitzung am 17.03.2015 hat der Steuerkreis Handlungsempfehlungen zu folgenden Themen verabschiedet und dem Niedersächsischen Kultusministerium vorgelegt:
* Stärkung der Berufsorientierung an allen Schulformen
* Entwicklung eines Konzeptes für eine koordinierte Beratungsstruktur
* Einstiegssystem berufsbildende Schulen
* Integration von unversorgten Jugendlichen in duale Berufsausbildung
* Wohnortnahe Beschulung und Qualitätssicherung

Die Empfehlungen wurden im Ressort bewertet und auf die Möglichkeiten zur Umsetzung geprüft. Bereits zum Schuljahr 2015/2016 werden einzelne Maßnahmen in Modellprojekten erprobt:
=> Die Stärkung der Berufsorientierung an allen allgemein bildenden Schulen des Sekundar I und II-Bereichs ist zentraler Gegenstand der Handlungsempfehlungen. Es gilt, Schülerinnen und Schülern, deren Eltern oder Erziehungsberechtigten eine begründete Berufs- und Studienwahl zu ermöglichen. Hierzu hat eine Fachkommission ein Musterkonzept zur Berufsorientierung erarbeitet, das nach einer Anhörung im Seoptember 2016 allen Schulen laufenden Schuljahr 2016 / 2017 zur Verfügung gestellt wird. Daneben zeigen Beispiele guter Praxis (Leuchtturmschulen) wie Berufsorientierung an Gymnasien und Gesamtschulen umgesetzt werden kann.
=> Die Einrichtung von „Jugendberufsagenturen" liegt in der Zuständigkeit von Kommunen, Job-Centern und Agenturen für Arbeit. Das Land unterstützt in einem Begleitprojekt, an den 12 Kommunen teilnehmen, die Einrichtung koordinierter Beratungsstrukturen durch die Bündelung von Informationen sowie die Vernetzung von Schulen und weiteren Akteuren. Insgesamt stehen hierfür 60 Anrechnungsstunden zur Verfügung.
=> Zum „Einstiegssystem berufsbildende Schule" hat eine Arbeitsgruppe Maßnahmen untersucht, wie Schülerinnen und Schüler zum direkten Einstieg in eine duale Berufsausbildung motiviert werden können. Das obligate außerschulische Beratungsgespräch vor dem Eintritt in die 1-jährige Berufsfachschule oder die Klasse 11 der FOS wurde in diesem Rahmen mit den Partner vereinbart und wird hierzu einen Beitrag leisten. Im Schulversuch „BEST" wird an 8 Schulen die Dualisierung der Berufseinstiegsschule erprobt, um über vertiefte Praktika die betriebliche Realität zu vermitteln und dadurch Klebeeffekte für Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Für das Projekt werden 24 Anrechnungsstunden eingesetzt. Ein weiterer Schulversuch zur Dualisierung der Klasse 1 der Berufsfachschule unter Einschluss der Fachoberschule, Klasse 11, wird in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung im Schuljahr 2016 / 2017 an bis zu 10 BBSen auf den Weg gebracht. Zwingende Vorgabe ist, dass Angebote der Berufsschule nicht beinträchtigt werden und koordinierte Beratungsstrukturen vor Ort arbeiten oder im Aufbau sind. Das bisher freie Praktikum in der Fachoberschule soll strukturiert werden. Zur Integration unversorgter Jugendliche in duale Ausbildung leistet das BDB einen zentralen Beitrag. Es ist noch zu erörtern, inwieweit eine geförderte außerschulische oder außerbetriebliche Ausbildung erforderlich ist.
=> Für die Attraktivität der dualen Berufsausbildung ist die funktionsfähige wohnortnahe Beschulung obligate Voraussetzung. Ein Bündel an Einzelmaßnahmen, wie die gemeinsame Beschulung einzelner Berufe, die gemeinsame Beschulung in der Berufsschule und Berufsfachschule sowie einem Projekt zum E-Learning dient diesem Ziel. Zur Verbesserung der Lehrerversorgung in Mangelfächern tragen Seiteneinsteigerprogramme im Bereich Technik und Pflege bei, die den Weg in den Lehramtsberuf eröffnen. Die Anrechnung von Studienleistungen auf den Besuch der Berufsschule ist nunmehr möglich.

Es ist vorgesehen, eine Bund-Länder-Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit-Vereinbarung zu den „Bildungsketten" in diesem Jahr zu erzielen.

Am 03. November ist eine Fachtagung in der Multi-Media BBS Hannover zur "Berufsorientierung in allgemein bildenden Schulen" vorgesehen. Eine weitere Veranstaltung ist zum Sachstand im „Bündnis Duale Berufsausbildung" für den 29. November an gleicher Stelle. Die Ergebnisse der letzten Tagung vom 25.11.2015 finden Sie unter folgendem link: http://www.duale-berufsausbildung.net/

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Herr Dr. Dag Danzglock

Nds. Kultusministerium
Schiffgraben 12
30159 Hannover
Tel: 0511 - 1207356
Fax: 0511 - 1207458

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